Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
18.08.2019

Franziska „Fanny“ Koch (1864 – unbekannt)

Eine ganz andere Biographie als die der MSPD-Stadträtin Katharina Ehm lässt sich aus den Meldeunterlagen von Franziska Koch ablesen, die bei der Stadtratswahl von 1919 für die Wahlperiode von 1920/24 als Vertreterin der Bayerischen Volkspartei (BVP) in den Augsburger Stadtrat gewählt wurde.

Am 21. Januar 1864 in München als „Betriebs-Kassiers-Tochter“ geboren, kam Franziska Koch am 03. August 1890 von Traunstein aus nach Augsburg, wo sie zunächst bei ihrem Onkel Peter Weiß, einem früheren Major im 4. Feldartillerieregiment „König“, im Gebäude Inneres Pfaffengässchen 9 wohnte. Sie stammte damit eindeutig aus bürgerlichen und besser situierten Verhältnissen, zumindest aber aus familiären Kreisen, denen ein gewisser sozialer Aufstieg in der Wirtschaft und beim Militär gelungen war. Als Beruf von Franziska Koch wird in den Meldeunterlagen „Erzieherin“ genannt. Der ehemalige Major Peter Weiß – dies geht wiederum aus seinem Meldebogen hervor – besaß seit 1863 die Anwesen C 70 und C 80 (Inneres Pfaffengässchen 9 und 5), die nach seinem Tod im Jahr 1911 als Erbschaft in den Besitz von Franziska Koch übergingen.

 Ein sehr interessanter Aspekt der Familiengeschichte ergibt sich über die Ehefrau des Majors Emma Schüle. Hier tun sich Verbindungen zur Familie des bekannten Kattunfabrikanten Johann Heinrich Schüle und seiner Nachkommen auf, über die einer der ältesten Meldebögen aus dem Bestand des Stadtarchivs vom Beginn des 19. Jahrhunderts Aufschluss gibt. Es ist davon auszugehen, dass in der Welt des 19. Jahrhunderts die „besseren Kreise“ einer Stadt – Beamtenschaft und Offizierskorps, Bourgeoisie und Bildungsbürgertum – einander kannten, in den Salons und privat miteinander verkehrten und auf diese Weise eben auch eheliche Verbindungen anbahnten.

Franziska Koch blieb gleichwohl unverheiratet, auch sind keine Kinder in ihren Meldeunterlagen vermerkt. Über ihren weiteren Lebenslauf, gar ihren politischen Werdegang geben unsere Quellen keinen Aufschluss mehr. Am 30. März 1944, also ungefähr einen Monat nach dem großen Luftangriff auf die Stadt vom 25./26. Februar 1944, verließ Franziska Koch Augsburg und verzog ins ländliche Wittislingen bei Dillingen.

Meldebogen der ersten Stadträtin der konservativen Bayerischen Volkspartei (BVP) Franziska „Fanny“ Koch
Stadtarchiv Augsburg, Meldebögen, Koch Franziska.