Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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24.06.2019

Stadtgeschichte aus erster Hand - Das historische Dokument

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70 Jahre Grundgesetz

Glanzstücke aus dem Nachlass des Juristen
Dr. Josef Ferdinand Kleindinst (1881-1962)

Josef Ferdinand Kleindinst erblickte am 20. Oktober 1881 in Mering das Licht der Welt – unter denkbar schlechten Vorzeichen. Die unverheiratete Mutter Anastasia musste sich ihr hartes Brot als Haushälterin verdienen, der Sohn wuchs deshalb zunächst bei der Tante auf. Ferdinands Vater, der Reichenhaller Kurapotheker Josef Mack, bekannte sich als ehemaliger Dienstherr der Anastasia Kleindinst und verheirateter Familienvater Zeit Lebens nicht öffentlich zu seinem Sohn. Dennoch unterstützte er den Jungen finanziell und ermöglichte ihm so den Genuss gymnasialer Bildung in der Landeshauptstadt und das Studium in Jura und Geschichte. Als Leiter des Statistischen Amtes begann Kleindinst 1913 seine Karriere bei der Stadt Augsburg und erarbeitete sich in der Folgezeit als Stadtrechtsrat und hauptamtlicher Stadtrat einen hervorragenden Ruf. Zunächst Leiter des Wirtschafts- und Wohlfahrtsreferats, übernahm er nach 1933 den Bereich Wissenschaft und Kunst.

Da Ferdinand Kleindinst trotz seiner gehobenen Position in der Stadtverwaltung nie Mitglied in der NSDAP war, konnte er bald nach Kriegsende wieder Verantwortung in Politik und Verwaltung übernehmen. Vom Bayerischen Landtag wurde er im Sommer 1948 in den Parlamentarischen Rat entsendet, der mit dem Entwurf einer neuen Verfassung den Weg für den politischen Neuanfang Deutschlands ebnen sollte. Kleindinst ging so als einer der Architekten des Grundgesetzes in die deutsche Geschichte ein, wenngleich der glühende Anhänger eines starken Föderalismus wie elf andere Abgeordnete letztendlich gegen den Entwurf des Grundgesetzes stimmte.

Von 1949-1957 saß Ferdinand Kleindinst für die CSU im Bundestag. Für sein politisches und juristisches Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet. Er starb am 8. September 1962 in Stadtbergen. Ein Teil seines schriftlichen Nachlasses gelangte in der Folgezeit in das Stadtarchiv Augsburg. Zum 70. Geburtstag des Grundgesetzes zeigen wir hieraus ausgewählte Stücke.

Portrait des Josef Ferdinand Kleindinst (um 1930)
Stadtarchiv, P 13, Nr. 2865/II
Bayerischer Verdienstorden 1959
Der Bayerische Ministerpräsident Hanns Seidel verlieh Kleindinst am 3. Juli 1959 den bis heute auf 2000 lebende Träger begrenzten Bayerischen Verdienstorden.
Silber, emailliert und vergoldet, mit Stoffband, im Etui (Juwelier Gebrüder Hemmerle München)
Stadtarchiv Augsburg, Nachlass Kleindinst, Nr. 216 A
Ausweis des Parlamentarischen Rates für den Abgeordneten Dr. Ferdinand Kleindi[e]nst
1. September 1948
Stadtarchiv Augsburg, Nachlass Kleindinst, Nr. 155