Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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21.11.2019

Stadtgeschichte aus erster Hand - Das historische Dokument

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Ansicht des Augsburger Rathauses 1733
Stadtarchiv Augsburg, KPS 2192.

Bericht des Bauschreibers Leonhard Halaicher an die Augsburger Baumeister über die Schwierigkeiten beim Passieren des Wassergrabens an der neuen Donauverbauung in Marxheim 9. Juli 1617
Stadtarchiv Augsburg, Baumeisteramt, unverzeichnet

Salzburgs Fracht für Augsburgs Pracht

Mit der Neugestaltung des Augsburger Rathauses entstand in den Jahren 1615–1626 eine Großbaustelle von besonderer künstlerischer Herausforderung, die besondere bautechnische Maßnahmen erforderlich machte. Auch der Wassertransport der Marmorsteine aus dem Salzburger Land stellte die Verantwortlichen zeitweise vor eine Herausforderung. Von den Leistungen der verantwortlichen Schiffmeister berichtet ein Schreiben aus den Beständen des Baumeisteramts.

Kein anderes Gebäude ist so stadtbildprägend für Augsburg wie das Rathaus, erbaut durch seinen berühmten Stadtwerkmeisters Elias Holl. Es zählt zu den bedeutendsten Profanbauten der Renaissance nördlich der Alpen und wurde zum Wahrzeichen unserer Stadt. Nach insgesamt nur fünf Jahren Gesamtplanung- und Bauzeit – die Grundsteinlegung des nördlichen Flügels erfolgte am 25. August 1615 – konnte am 3. August 1620 im neuen Rathaus bereits die erste Ratswahl stattfinden. Elias Holl berichtet in seiner Selbstbiografie: Ist also diser pau durch gottes gnad diß 1620[ten] jahr wol und glückhlich volfüert und darauf den 3[ten] augusti erstgemelten jahrs daß erste mahl die rathswahl darin gehalten worden […]. Unter Johann Matthias Kager wurde die Innenausstattung bis 1626 im Wesentlichen vollendet.

Für die Ausgestaltung des Rathauses war roter und „gesprengter“ Adneter Marmor sowie weißer Untersberger Marmor aus dem Fürsterzbistum Salzburg vorgesehen. In Hallein wurden die Steine für den Flusstransport auf Schiffe umgeladen. Von dort aus gelangten zwischen 1616 und 1619 in mehreren Konvois insgesamt 13.656 Quadratschuh Marmor für Säulen, Gesimse und Fußböden auf dem Wasserweg über die Salzach, den Inn und ab Passau über die Donau nach Marxheim.

Bis zur Lechmündung benötigten die Schiffe ungefähr zwei bis drei Wochen. In einem Spaltzettel sicherten die beiden Steinbruchmeister Oswald Hellweger und Georg Leiß vertraglich zu, dass sie „[…] nachbeschribne pflasterstuckh[en] von Salzburg aus bis nach Marxhaim bey under Schönenfeld auf all ir wagnis, cossten und gefahr […] liefern. […] Was aber nach beschehener lüferung vorerzelter pflassterstuckh mit fuerlohn und anderen uncossten von Marxhaim bis alher nach Augspurg ferrner […] vonnöthen sein würdet, d[as] soll uf gemeiner statt cossten geen und gericht wird[en].“

Die Beförderung auf dem Wasserweg galt gewiss als die sicherste und praktikabelste Methode, doch erschwerten Niedrigwasser oder Hochwasser ebenso wie Unwetter zeitweilig die Fahrt und ungeplante Verzögerungen verursachten schnell enorme Zusatzkosten. Im Juli 1617 berichtete der Bauschreiber Leonhard Halaicher von einem Vorfall in der Nähe von Neuburg/Donau: aufgrund einer jüngst errichteten neuen Schlacht aus Pfählen zur Regulierung bzw. Kanalisierung des Flusses und der Verlegung der Wasserstraße sei der nun zu befahrene Wassergraben „zu schmal und d[as] wasser zu seuch“ (= seicht), um ihn zu passieren. Dem Schreiben an die verordneten Baumeister Constantin Imhof, Bartholomäus Welser und Wolfgang Paler fügte er sogar eine entsprechende Planskizze bei. Ein anderes Schiff war dort kurz zuvor auf Grund gelaufen und die 40 Passagiere an Bord drohten zu ertrinken. Der Schiffmeister lehnte ab, auf eigene Gefahr und Kosten die Wasserstraße zu passieren. Aber er sorgte mit einem Plan für Abhilfe: Auf Anraten aller Beteiligten versuchte er zunächst mit dem leichtesten Schiff die Engstelle zu passieren, dann „[…] alle vier schiff (gleichwol d[as] letstere nit mit wenig müehe) herdurch gebracht worden, welliches irer f[ürstlich] d[urchlaucht] [et cetera] so wol gefallen, d[ass] sy den schiffleuth[en] zwen aimer biers zu vertrinckhen geben“ und „dem schiffmaister etliche schaf habern“ (= Hafer) als Belohnung zukommen ließen.

Von Marxheim aus wurde der Transport die restlichen 45 km nach Augsburg auf dem Landweg fortgesetzt. In einem Schreiben vom 18. August 1616 berichtet Halaicher über das kostspielige und aufwendige Entladen der vier großen Schiffe und vier flachen Lastkähne (= Zillen), an dem insgesamt 40 Personen und 27 Zugpferde beteiligt waren: „Abents umb 6 uhrn das stainwerckh ob 4 grosse schiff mit vier zillen, darbey 40 personen und 27 roß gewesen, gannz gliekhlich und wol angelangt und weil es damaln etwas zu spaat gewesen, hat man mit ausladung nichts fürnem[m]en mögen. Aber an heuto morgens zu vier uhrn den anfang gemacht und alberait, neben den zweien grössten schafft[en], inn die 14 kleine und grosse stuckh[en] auf das lannd gezogen, welliches ein solliche grosse und gefehrliche arbait, des sich menigelich, wer es sicht, nit gnuegsam verwundern kann.“