Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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24.08.2019

Stadtgeschichte aus erster Hand - Das historische Dokument

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Planskizze des Brunnenmeisters Caspar Walter zur Erneuerung der Pumpwerke am Roten Tor, 1744

Der Augsburger Brunnenmeister Caspar Walter.
Zum 350. Todestag eines Pioniers der Augsburger Wassertechnik

Kein Baumeister hat die Entwicklung, aber auch unser Wissen von der historischen Wasserwirtschaft der Reichsstadt Augsburg so nachhaltig geprägt wie der Brunnenmeister Caspar Walter (* 27.2.1701, † 6.1.1769). Seine bis heute erhaltenen Publikationen, Modelle und Risse geben einmalige Einblicke in die Funktionsweise eines organisatorisch komplexen Wasserversorgungssystems, das im 15. Jahrhundert seinen Ursprung hat. Zu seinen bedeutendsten Werken in Augsburg zählt die Verbesserung des damals zentralen Wasserwerks am Roten Tor, das seit 1738 wichtige Erneuerungen erfuhr. Eine detaillierte Planzeichnung – erst kürzlich durch das Stadtarchiv aus Privatbesitz erworben – gibt hierzu genaueste Aufschlüsse.

Als Sohn des Zimmermanns Caspar Walter d. Ä. (1661–1741) erlernte der gleichnamige Sohn in Augsburg zunächst das Handwerk des Vaters. Der Umgang mit Holz als dem damals üblichen Material der Wasserförder- und Wasserleitungstechnik legte auch seine Bewerbung um den Posten eines Brunnenmeisters nahe. 1728 trat Caspar Walter als Obmann des Unteren Brunnenturms am Mauerberg in städtische Dienste und übernahm somit schon als 27-Jähriger die Verantwortung für die reibungslose Wasserversorgung des Domviertels und der Frauenvorstadt. Nach Erwerb der Meistergerechtigkeit (1736) wurde Walter in das sog. „Geschworenen-Amt“ der Stadt aufgenommen. In dieser Funktion erstellte er zusammen mit drei weiteren Amtskollegen Fachgutachten bei städtischen Baustreitigkeiten.
1738 lieferte Walter sein erstes, größeres Baugutachten. Seine „Beschreibung der in dem untern Brunnenthurm auslaufenden Röhrwasser“ lieferte die Grundlage für die sog. „Wassereicht“, eine Überprüfung und Normierung sämtlicher öffentlicher und privater Wasseranschlüsse, um den erwiesenen Missbrauch dabei abzustellen. Zehn Jahre später wiederholte er dieses Kontrollverfahren für die Gebiete, die an die Brunnenwerke am Roten Tor und die St.-Jakobs-Wassertürme angeschlossen waren. Diese Maßnahmen waren nicht nur für seinen Ruf, sondern auch für den städtischen Haushalt äußerst gewinnbringend.
Am 2. September 1741 gelang Caspar Walter ein weiterer entscheidender Schritt auf der Karriereleiter, indem er zum Stadtbrunnenmeister der Reichstadt Augsburg ernannt wurde. Mit technischem Geschick und großem Sachverstand brachte er in dieser Funktion nun auch die Augsburger Brunnenwerke zwischen 1741 und 1768 auf einen für die damalige Zeit hervorragenden Stand. 1744–1746 erfolgte dabei die komplette Erneuerung der schadhaften Anlagen in den Wassertürmen am Roten Tor. Hier hatte nicht nur der Zahn der Zeit am Bauwerk genagt, sondern das sandreiche Lechwasser, das man aus Mangel an ausreichendem Quellwasser beigemischt hatte, für Schäden gesorgt. Durch Verhandlungen mit dem Abt von St. Ulrich und Afra gelang eine Steigerung der Kapazität durch zusätzliche Anstiche des Brunnenbachs auf dortigem Territorium, das Lechwasser konnte als Trinkwasser abgestellt und die Wasserversorgung der wachsenden Stadt durch ein viertes Pumpwerk gesichert werden.
Caspar Walters Verdienst um die Reichsstadt gründete sich jedoch nicht nur auf der technischen Raffinesse seiner Wasserkunst. Er verfasste auch zahlreiche Schriften zu den Brunnenwerken und zur Wasserversorgung in Augsburg, unter denen vor allem sein Werk Hydraulica Augustana von 1753/1766 Handbuchcharakter beanspruchen kann. Mehrfach wurde er von benachbarten Städten auch als Fachexperte für dortige Brunnen- und Wasserwerke zu Rate gezogen. Darüber hinaus veranschaulichte er sein Können in zahlreichen Planzeichnungen und maßstabsgetreuen Holzmodellen.

Der Original-Plan und eine weitere Zeichnung Caspar Walters zu den Erneuerungen des Wasserwerks am Roten Tor im Jahr 1744 waren bereits in älterer Zeit aus dem ursprünglichen Überlieferungszusammenhang des Stadtarchivs verschwunden. Im Jahr 2018 konnten die Pläne aus Privatbesitz erworben und dem betreffenden Aktenbestand wieder zugeordnet werden. Die wertvollen Zeichnungen geben wichtige Aufschlüsse zur Augsburger Wasserwirtschaft der Frühneuzeit.

Die Stadt Augsburg dankt Herrn Peter Riolini, der dem Stadtarchiv die im Privatbesitz befindlichen Pläne kostenlos überlassen hat, für die großzügige Spende.