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19.09.2019

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August 2008

Das Augsburger Stadtrechtsbuch

Das Stadtrechtsbuch von 1276 wurde vermutlich - wie auch der Schwabenspiegel von 1275 - von Augsburger Minoriten abgefasst, die althergebrachte Rechte aufzeichneten. Auf Bitten des Rates, dessen Rechtssetzungskompetenz grundsätzlich anerkannt wurde, ging der Zusammenstellung des Stadtrechts am 9. März 1276 die Zustimmung König Rudolfs von Habsburg voraus, nachdem ihm die Stadt zuvor die Rückzahlung von Schulden erlassen hatte.

Das Stadtrechtsbuch, das sich in drei große Abschnitte gliedert (1. Rechte des Königs und des Bischofs, des Vogts und des Burggrafen in der Stadt sowie Gewerberecht, 2. Vogtei-gericht und 3. Burggrafengericht), stellt eines der bedeutendsten Rechtsdenkmale des Mittelalters dar. Seine Abfassung in deutscher Sprache ist nicht zuletzt Ausdruck der Lösung von der bischöflichen Oberhoheit. Mit dem Freiheitsbrief Kaiser Friedrich Barbarossas von 1156 (vgl. Nr. 1) und dem Stadtrechtsbuch von 1276 liegen zwei grundlegende schriftliche Zeugnisse vor, die am Beginn einer sich zusehends ausbildenden, allerdings erst im 14. Jahrhundert durch weitere kaiserliche Privilegien gefestigten Reichsfreiheit stehen. Auch wenn der Bischof noch bestimmte formale Rechte behielt - so besaß er weiterhin das Münzrecht, den Marktzoll und ein Zustimmungsrecht zur Erhebung des Ungeldes (indirekte Steuer) - war die Stadt Augsburg nun offiziell Königsstadt. Dies dokumentiert sich u. a. darin, dass der Vogt als oberste Rechtsinstanz ein Vertreter des Königs war. Das Amt des Stadtvogts, der nach Schaffung der ostschwäbischen Reichslandvogtei 1287 vom Landvogt ernannt wurde, lag von jetzt an in den Händen der mächtigen Augsburger Patrizierfamilien.

Mehr als zwei Jahrhunderte blieb das Stadtrechtsbuch von 1276 mit seinen umfangreichen öffentlich-rechtlichen, aber auch rein privatrechtlichen Bestimmungen maßgebend für das Augsburger Rechtsleben. Durch zahlreiche nachträgliche Novellen immer wieder den Zeitbedürfnissen angepasst, verlor es erst am Ausgang des Mittelalters durch die zunehmende Rezeption des römischen Rechts an Bedeutung.

Druck: Meyer, Stadtbuch.

Literatur: AK Aus 1200 Jahren, S. 108f, Nr. 51. - AK Bayern Kunst und Kultur, Nr. 143. - AK Als Frieden möglich war, S. 560, Nr. VIII 1. - AK 700 Jahre Augsburger Stadtrecht, S. 20-23, 50-55 und 86-97. - Augsburg. Geschichte in Bilddokumenten, S. 44, Nr. 68. — Binswangen - Liedl. - Schmidt, Stadtbuch.

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