Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
22.08.2018

Ausgewählte Schätze des Stadtarchivs

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Orig., Pergamentlibell, 26 x 32 cm (b x h), 28 Blatt, gebunden mittels rot-weiß-schwarzer Kordel, Siegel fehlt (abgeschnitten); Einband: Pappe, 27 x 33 cm (b x h), Pergamentüberzug mit Goldprägung (barockes Rankenwerk); auf der Vorderseite Wappen des Fürstbischofs Heinrich von Knöringen in Rollwerkkartusche mit Grotesken und Ahnenwappen in den Zwickeln; auf der Rückseite rundes Emblem der Jesuiten in Strahlen- und Ehrenkranz.
Auf fol. 3r filigrane, bildliche Darstellung eines blau-weiß-gold gewandeten, auf einer grünen Anhöhe stehenden Engels mit Blumenschmuck im Haar, mit der Rechten den Wappenschild der Jesuiten, mit der linken den Wappenschild des Bischofs haltend;
Auf fol. 3v filigrane, bildliche Darstellung zweier emporschwebender Engel, die in ihrer Mitte eine Rollwerkkartusche mit dem Emblem der Jesuiten halten.

Saalbuech über Kisßingen anno 1602

oder

„Urbar unnd Register uber das Guett Kissingen,
wie selbigs daß Stifft Augspurg inngehabt,
anno 1602“

Stadtarchiv Augsburg, Kirchen und Klöster, Jesuiten 23/1

Die Herrschaft Kissing war seit dem Hochmittelalter im Besitz der Bischöfe von Augsburg und blieb, nachdem der Herzog von Bayern 1571 seine Landeshoheit über Kissing durchsetzen konnte, als bayerische Hofmark weiterhin in deren Hand. Wegen fortwährender Konflikte mit dem neuen Landesherrn sah sich jedoch Fürstbischof Heinrich von Knöringen im Jahre 1602 dazu gezwungen, seinen gesamten Besitz zu Kissing um 42.500 Gulden an das Augsburger Jesuitenkolleg St. Salvator zu verkaufen. Das vorliegende, ungewöhnlich kunstvoll gestaltete Sal- oder Urbarbuch dokumentiert den Besitzstand bei der Übergabe an die Jesuiten und stellt archivalisch ein Bindeglied zwischen dem alten und dem neuen Inhaber dar. Jedes Haus, jede Wiese, jedes Waldstück sowie sämtliche Rechte und Einkünfte, die dem Bischof zustanden und nun den Jesuiten übereignet wurden, sind darin penibel aufgeführt.

Eine Stiftung der Fugger hatte 1580/81 die Gründung eines Jesuitenkollegiums in Augsburg ermöglicht, dessen Hauptaufgabe die kostenfreie Unterhaltung eines Gymnasiums für katholische Jugendliche war, das sich in der Folgezeit zum Pendant der nun rein evangelischen Schule in St. Anna (gegründet 1531) entwickelte. Um auf Dauer bestehen zu können und nicht nur auf Stiftungen angewiesen zu sein, mussten sich die Jesuiten sichere Einkunftsquellen erschließen. So legten sie mit dem Kauf der Hofmark Kissing den Grund zu ihrem Wirtschaftsbetrieb, der in den folgenden Jahrzehnten durch den Ankauf weiterer Liegenschaften – darunter das Gut Mergenthau – erweitert und abgerundet wurde. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens durch Papst Clemens XIV. im Jahre 1773 ging der Besitz des Augsburger Kollegiums an die städtische Studienstiftung über, die das Fortbestehen des katholischen Gymnasiums in der Stadt sicherte. Auf diesem Weg kam die Überlieferung der Jesuiten ins Stadtarchiv, wo sie derzeit archivischen Grundsätzen entsprechend neu strukturiert und teilweise überhaupt erst noch erschlossen wird.

Das jahrhundertelange Wirken der Jesuiten in und um Kissing hat bis heute sichtbare Spuren hinterlassen. Die örtliche Pfarrkirche und das Hofmarksschlösschen erhielten unter den Jesuiten ihre heutige Gestalt, Schloss Mergenthau und die Kissinger Burgstallkapelle wurden von ihnen erbaut. Das Salbuch von 1602 stellt somit nicht nur ein bedeutendes Dokument für die wirtschaftliche Entwicklung des Augsburger Jesuitenkollegs dar, sondern markiert auch einen Wendepunkt in der Geschichte Kissings.

 

Literatur: Baer, Wolfram/Hecker, Hans-Joachim (Hg.): Die Jesuiten und ihre Schule St. Salvator in Augsburg, München 1982.
Graf, Matthias: Geschichte der Hofmark Kissing an der Paar. Eine lokalhistorische Studie, Donauwörth 1894, v.a. S. 43-46 (speziell zum Salbuch von 1602).
Hiereth, Sebastian: Die Landgerichte Friedberg und Mering (Historischer Atlas von Bayern, Teil Schwaben, Heft 1), München 1952.

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