Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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19.09.2018

Das neue Stadtarchiv

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Erinnerungsstücke aus dem „Historischen Stadtarchiv“

Bei den laufenden Umzugsarbeiten des Stadtarchivs wird nicht nur Archivgut verlagert. Auch Teile der historischen Archivausstattung, die während der Umzugsvorbereitungen wieder zu Tage traten, konnten inzwischen fachgerecht restauriert werden und haben einen besonderen Platz in den neuen Magazinräumen erhalten.

Heute wie früher sind (und waren) es vor allem die Archivmöbel, die für eine Ordnung der Archivalien im Raum sorgen. Denn sie dienten nicht nur zur Unterbringung von Dokumenten in Schränken, Regalen und Truhen, sondern ermöglichten durch eine genaue Einteilung auch das Ordnen und Wiederauffinden von Schriftstücken.
Im 18. Jahrhundert entschloss sich auch der Rat der Stadt Augsburg, die bisher in verschiedenen Räumen des Rathauses verteilten und unzureichend untergebrachten Archivalien in einem eigenen Archivbau, der sich nordöstlich des Rathauses befand, zusammenzuführen. Dafür wurde eine spezielle Ausstattung mit Archivschränken erforderlich, durch die das „in größter Confusion befindliche allhiesige Archiv“ eine bessere Ordnungs- und Ablagestruktur erhalten sollte.
Dafür erging in den Jahren 1755/56 ein Auftrag an den damaligen Stadtkistlermeister Christoph Friderich Böldt, 51 neue Kästen, 7 Tische mit insgesamt 424 „Schiebern“ oder Schubladen, 4 Staffleien und 1 „Repositorium“ zu konstruieren, die der Stadtmaler Anton Dämpfle mit venetianischem Bleiweiß, Englischblau und mit rot-grünen Leisten verzierte. Die einzelnen Kästen und Fächer, die die Akten aufnehmen sollten, erhielten als Beschriftung ein alphabetisches System, das mehrfach wiederholt wurde, so dass letztlich 69 Sachgruppen entstanden (A-TTT). Alle zum Teil bis zu 4 Meter hohen Schränke und Kästen wurden auf sechs Archivräume verteilt, die mit Planetensymbolen gekennzeichnet waren. Im größten Raum mit der Bezeichnung „Sonne“ waren in den Schränken GG und HH die wichtigsten Privilegien, Verträge und Statuten der Reichsstadt verwahrt. Ein mit Wappen verzierter Aufsatzbogen wurde über diesen beiden Kästen angebracht und unterstrich die Bedeutung dieser Dokumente. Die Wappen verwiesen zugleich auf die Stadtpfleger, Geheimen Räte und Baumeister dieser Epoche als die für die Neugestaltung des Stadtarchivs verantwortlichen Gremien der Reichsstadt.

Leider haben von dieser Archivausstattung des 18. Jahrhunderts nur mehr wenige Einrichtungsgegenstände die Zeiten überdauert. Die heute noch vorhandenen vier Schränke und 8 Schubladen standen zuletzt u. a. in einem Depot im Schaezlerpalais. Dorthin waren sie 1967 aus dem städtischen Bauhof als „Altholz“ gebracht worden und so zu zwar vor der Vernichtung bewahrt worden, jedoch allmählich auch in Vergessenheit geraten. Sie sind die letzten historischen Reste der ursprünglichen Archivmöblierung, die wohl 1885/1902 beim Umzug in das schenkungsweise überlassene Gebäude in der Fuggerstraße mitgenommen wurden. Während des 2. Weltkriegs wurde weiteres Mobiliar an andere, durch Fliegerangriffe geschädigte Dienststellen abgegeben und ist dabei möglicherweise verloren gegangen.
Die vorhandenen Schränke konnten nun 2014/15 von den Werkstätten des Goering Instituts e. V. als Fachakademie für Holzrestaurierung bearbeitet, schonend gereinigt, partiell überarbeitet und an den stark beschädigten Teilen (v. a. an den Textilbespannungen) teilweise ergänzt. Für eine unzusammenhängende Serie von acht Schubladen fertigte man einen kleinen Holzschrank an, der diese Schaustücke ebenfalls in einer interessanten Form präsentiert.
Eine Besonderheit jedoch ist der aufwendig ausgearbeitete „Wappenbogen“, der glücklicherweise ebenfalls erhalten geblieben ist und sich in den letzten Jahren im Treppenhaus des Stadtarchivs in der Fuggerstraße befand. Dieses Schaustück wie auch die interessanten Archivschränke können nun in den Magazinen, im Foyer und im Lesesaal des neuen Archivs als bedeutende archivgeschichtliche Zeitdokumente betrachtet werden.

Eine Fotostrecke zur Neuaufstellung der Archivmöbel finden Sie hier.