Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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20.04.2018

Veröffentlichungen - Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg

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Band 32

Konfession, Wirtschaft und Politik

Peter Fassl

Konfession, Wirtschaft und Politik

Im Zeitraum von 1750 bis 1850 wandelten sich die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und konfessionellen Verhältnisse in Augsburg gründlich. Die Frühindustrialisierung und die Eingliederung der einstigen Freien Reichsstadt in das Königreich Bayern markieren diesen Wandel, der die Geschichte der Stadt im 19. und im 20. Jahrhundert prägte. Peter Fassl untersucht die Veränderungen der Lebensverhältnisse der Stadt in diesen hundert Jahren, deren Wechselspiel von evangelischer und katholischer Konfession, Wirtschaft und Politik eine besondere Dynamik hatte. Ausgehend von einer Analyse der Bevölkerungsentwicklung seit dem Dreißigjährigen Krieg, werden die ständische Gesellschaft (Patriziat, Kaufleute, Bürgerschaft, Beisitzer und andere), die besondere Freiheitsrechte besitzenden Stifte und Klöster und das Verhältnis der Konfessionen zueinander behandelt. Protestanten und Katholiken waren seit der Einführung der Parität mit den Bestimmungen des Westfälischen Friedens (1648/49) im öffentlich-rechtlichen Leben der Stadt gleichberechtigt. Die Untersuchung der ökonomischen und innenpolitischen Entwicklung am Ende der reichsstädtischen Epoche zeigt, daß wirtschaftliche und konfessionelle Faktoren sich dialektisch verstärkten, jedenfalls selten voneinander zu trennen waren.

Eine neue Zeit beginnt mit den Napoleonischen Kriegen, der Säkularisation und dem Ubergang der Stadt an Bayern. Es war zunächst eine Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs. Die Industrialisierung der folgenden Jahre verschärfte noch das soziale Ungleichgewicht zwischen Katholiken und Protestanten. Im politischen Bereich entwik-kelten sich aus den Strukturen, die einst von der Parität gekennzeichnet waren, konfessionell geprägte Gruppierungen: die mehrheitlich protestantische liberale Partei und die katholisch-konservative Partei. Diese wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts immer mehr aus der liberalen bürgerlichen Gesellschaft ausgegrenzt. Sie versuchte daher, im kirchlich gebundenen katholischen Vereinswesen eine Art Gegengesellschaft aufzubauen. Mit der Parität schwand auch der städtische Gemeinsinn bayerischer Zentralismus und obrigkeitliche Verwaltungspraxis ließen bürgerlich-republikanische Traditionen verkümmern.

Das auf gründlichen Quellenstudien und zahlreichen neuen Archivfunden aufbauende Buch ist ein bemerkenswerter, materialreicher und souverän gestalteter Beitrag zur Geschichte der ehemaligen Reichsstadt. Die Arbeit erhielt im Jahr 1987 den Augsburger Universitätspreis.

erschienen 1988

Preis: 45,50 €