Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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25.04.2018

Veröffentlichungen - Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg

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Band 33

Die unsichtbare Grenze

Etienne François

In der Zeit zwischen 1648 und 1806 zeichnete sich die Stadt Augsburg durch eine besondere Eigenschaft aus. Es war die einzige deutsche Großstadt, in der Katholiken und Protestanten fast gleich stark vertreten waren und beide »Konfessionsverwandtschaften« vollkommen gleiche Rechte genossen. Dieses paritätische Neben- und Miteinander spiegelte auf lokaler Ebene die Bestimmungen wider, die seit dem Westfälischen Frieden von 1648 auf Reichsebene das Verhältnis der Konfessionen zueinander regelten. Aus diesem Grunde ist Augsburg in besonderer Weise für eine Fallstudie geeignet, die auf Fragen von exemplarischer Bedeutung für das frühneuzeitliche Deutschland Antworten zu geben versucht. Wie unterschieden sich Protestanten und Katholiken voneinander? Wie gestaltete sich ihr Zusammenleben im Alltag? Welche Auswirkungen hatte diese Situation auf ihr jeweiliges Selbstverständnis ?

Der erste Teil der Untersuchung widmet sich dem demographischen Aspekt. Er analysiert die unterschiedliche Dynamik der beiden Konfessionsgruppen, hebt den Kontrast ihrer Wanderungsbewegungen hervor, beleuchtet aber auch die Gebiete, die sich dem Sog der konfessionellen Unterscheidung entzogen. Der zweite Teil behandelt die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte. Er befaßt sich zuerst mit der Analyse der Berufs- und Vermögensverhältnisse der beiden Konfessionsgruppen und ihrer Entwicklung diese statistischen Analysen werden durch Fallstudien ergänzt, die die Art und Weise des konfessionellen Zusammenlebens in vier Bereichen untersuchen: dem der Dienstboten, der Lehrlinge und Gesellen, der Banken und des Handels, des Buchhandels und Kunstgewerbes dabei treten die gegenseitige Ergänzung und die Verstrickung der Interessen der beiden Gruppen besonders deutlich hervor. Der letzte Teil befaßt sich mit den mentalitätsgeschichtlichen Aspekten der Bikonfessionali-tät. Er zeigt zunächst, wie jede Konfess anhand verschiedener Merkmale - Vornamen, äußere Unterscheidungszeichen - wird danach die zunehmende Verinnerlichung der jeweiligen konfessionellen Zugehörigkeit durch die Bevölkerung der Stadt Augsburg verfolgt schließlich werden die beiden »Tabus« untersucht, die das existentielle Fundament der »unsichtbaren Grenze« darstellten: die grundsätzliche Ablehnung der Mischehen und die ebenso grundsätzliche Ablehnung des Glaubenswechsels. Ein ausführliches Schlußkapi

erschienen 1991

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