Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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24.04.2018

Veröffentlichungen - Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg

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Band 07

Die Ungarnschlacht auf dem Lechfeld 955

Barthel Eberl

EINLEITUNG

Die folgenden Studien gehen von einem Textkorpus aus, das 1485 oder in den Jahren zuvor zusammengestellt und 1485/86 von dem Ulmer Drucker Conrad Dinckmut veröffentlicht wurde: Von der sogenannten 'Lirer-Chronik'. Die Inkunabel umfaßt als ersten Teil die 'Schwäbische Chronik' eines sich Thomas Lirer nennenden Autors und als zweiten Teil die Bearbeitung eines kurzen reichsgeschichtlichen Werks, das man am besten als 'Gmünder Kaiserchronik' (GK) wird bezeichnen dürfen. Ein Inhaltsverzeichnis, das den titellosen Druck einleitet, verklammert die beiden Bestandteile. Aus der Wahl dieses Untersuchungsgegenstands ergibt sich zwanglos die Gliederung der Arbeit. Der erste Hauptteil betrachtet die Frühdrucke von 1485/86 und 1499/1500, die das Textkorpus überliefern, und ihren Gebrauch anhand der erhaltenen Exemplare. Der zweite Hauptteil gilt der Schwäbischen Chronik Thomas Lirers. Im dritten Hauptteil wird die Gmünder Kaiserchronik besprochen, wobei ein Schwerpunkt auf der Behandlung der handschriftlichen Überlieferung liegt. Der vierte Hauptteil würdigt die Redaktion, die dieser Text in den Frühdrucken erfahren hat, im Kontext der beginnenden württembergischen Landesgeschichtsschreibung. Mit der Wahl dieser spätmittelalterlichen volkssprachlichen Rezeptionseinheit aus einer schwäbischen Landeschronik und einem reichsgeschichtlichen Kurzkompendium wird den Forderungen eines Forschungsansatzes Rechnung getragen, der freilich im Lager der Historiker noch nicht allzuviele Anhänger aufzuweisen hat.

In seinem Schlußbericht zum Wolfenbütteler Symposion 1981 über „Literatur und Laienbildung im Spätmittelalter und in der Reformationszeit" hat Karl Stackmann konstatiert: „Es scheint [...] ein allgemeiner Grundsatz geworden zu sein, daß der Überlieferungsgeschichte bei der Erforschung der spätmittelalterlichen deutschen Literatur zentrale Bedeutung zukommt. Auf den Altgermanisten Hugo Kuhn geht der Begriff „Gebrauchssituation" zurück, der für die germanistische Spätmittelalterforschung richtungsweisend geworden.

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