Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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15.12.2018

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Juli 2008

Das sog. erste Stadtrecht

Einleitung der Urkunde mit der symbolischen Invocatio (Anrufung Gottes) in Form eines Chrismons (Initialbuchstabe C) und der Intitulatio (Name und Titel des Ausstellers mit Devotionsformel »divina favente clementia« im Sinne von »von Gottes Gnaden«):

In no[m]i[n]e s[an]c[ta]e et individu[a]e trinitatis. Frideric[us] divina favente clementia Romano[rum] imp[er]ator august[us].

Die iustitia Augustensis civitatis von 1156 gilt als das zweitälteste bekannte schriftlich fixierte deutsche Stadtrecht überhaupt. Diese erste überlieferte Augsburger Stadtrechtsurkunde aus der Mitte des 12. Jahrhunderts stammt aus einer Zeit, als Augsburg noch vorrangig als Bischofsstadt anzusehen war und das aufstrebende Bürgertum sich im beginnenden Loslösungsprozess von der bischöflichen Obrigkeit befand.

Auf Betreiben von Bischof, Klerus und »Volk« regelte Kaiser Friedrich I. im Jahre 1156 nach wiederholten Streitigkeiten - unter Bezugnahme auf ein 1104 von Kaiser Heinrich IV. erlassenes Vogteiweistum - die Rechte des Bischofs, der Bischofsstadt, seiner Beamten (des Burggrafen und des Vogtes) sowie die Rechte der Stadt und ihrer Bürger neu. Zwar blieb der Bischof weiterhin eindeutiger Stadtherr, musste jedoch eine erste Einschränkung seiner Rechte hinnehmen. Er besaß nach wie vor das Recht zur Ernennung des Burggrafen, des Münzmeister und des Dompfarrers, hatte dabei allerdings die Wünsche der Ministerialen und des Volkes, der »urbani«, zu beachten, denen ein Petitionsrecht zugestanden wurde. Eine stärkere Position erhielt vor allem der Vogt, der die Hochgerichtsbarkeit ausübte. Wichtig für Inhaber des Augsburger Bürgerrechts war, dass sie nicht nach Eigenoder Lehenrecht belangt werden konnten, sondern nur nach Bürgerrecht.

Inhaltlich gliedert sich der Schiedsspruch in drei Teile. Artikel I handelt von den Klagen, die Bischof Konrad 1152 Kaiser Friedrich Barbarossa wegen der ungeklärten Rechtsverhältnisse in der Stadt unterbreitet hatte. Der II. Artikel befasst sich mit Protesten der Augsburger Kanoniker, die auf dem königlichen Hoftag zu Regensburg im Jahre 1104 gegen bischöfliche Repressalien erhoben worden waren. Die Artikel III bis VI enthalten die von Bischof und Vogt in gegenseitigem Einvernehmen niedergelegten Rechtsgrundlagen.

Druck: Keutgen, S. 90-92. - Meyer, Stadtbuch, S. 309-313. Regest: Vock, S. 13-15, Nr. 30.

Literatur: AK 700 Jahre Augsburger Stadtrecht, S. 27, Nr. 7. - AK Handel u. Industrie, Augsburg 1969, S. 9, Nr. 1. - Augsburg. Geschichte in Bilddokumenten, S. 40, Nr. 67. - Baer.

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