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20.11.2018

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Januar 2010

Das Augsburger Hochzeits-Geschlechter-Buch

Das Patriziat, die städtische Aristokratie, sowie Vertreter der reichen Zünfte bestimmten das öffentlich-politische Leben in der Reichsstadt Augsburg. Das gesellschaftliche Zentrum der Augsburger Oberschicht - die »Herrenstube« - lässt sich im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts erstmalig in den Quellen belegen. Die Stubenfähigkeit konnte üblicherweise nicht durch Kauf erworben, sondern nur ererbt oder erheiratet werden. Ab 1480 setzte die Mitgliedschaft in der Herrenstube das Augsburger Bürgerrecht voraus, so dass auch auswärtige Edelleute nur noch durch Heirat in die Herrenstube gelangen konnten. Die Verschärfung der Zulassungsregelungen zur Bürgerstube führten dazu, dass die Hochzeitsbücher mehr und mehr zu einer Legitimationsquelle für die Zugehörigkeit zur Herren- oder Bürgerstube wurden. Bereits 1484 begann der Patrizier Johann Schellen-berger damit, die einzelnen Heiraten innerhalb der Bürgerstube aufzuzeichnen. Wie bei der Anlage der Ehrenbücher (vgl. Nr. 27) spielte die Betonung des Standesbewusstseins eine herausragende Rolle. So existieren z.B. einige Exemplare der Hochzeitsregister, die vom Verfasser verschiedener Ehrenbücher, Clemens Jäger, von eigener Hand geführt wurden. Die Hochzeitsbücher sind allerdings im Gegensatz zu den amtlichen Quellen wie z. B. den städtischen Hochzeitsamtsprotokollen oder den Copulationsbüchern der Pfarreien Aufzeichnungen rein privater Natur. In den ersten Jahrzehnten wurden nur die Namen und das Jahr der Eheschließung verzeichnet. Ab 1524 ist dann das genaue Datum der Heirat angegeben. Die Hochzeitsbücher stellen nicht nur eine Quelle von familienhistorischem Wert dar, sondern zeigen auch die vielfältigen Verflechtungen innerhalb der damaligen politischen Führungsschichten und einen sozial begrenzten Ausschnitt aus der Entwicklung der Augsburger Stadtbevölkerung.

Von dem ursprünglich von Schellenberger angelegten Hochzeitsregister wurden zahlreiche Abschriften angelegt und die Eintragungen fortlaufend chronologisch ergänzt. Bei der hier vorgestellten Abschrift handelt es sich um eines der wenigen Exemplare, denen auch die Wappen der aufgeführten Personen beigefügt wurden (gegen Ende des Bandes sind allerdings viele Wappen nicht mehr farbig ausgeführt, ab 1590 fehlen sie völlig). Die beigefügten Wappen stellen eine große Hilfe bei der Identifizierung der jeweiligen eheschließenden Parteien dar und bilden natürlich eine bedeutende Quelle für die Heraldik.

Auf den beiden aufgeschlagenen Seiten sind neben drei Hochzeiten des Jahres 1499 elf Hochzeiten für das Jahr 1498 aufgeführt, u. a. heiratete in diesem Jahr der bedeutende Jurist und Humanist Dr. Konrad Peutinger (1465— 1547) Margarete Welser (1481-1552), die Tochter Anton Welsers (1451-1518).

Druck: Warnecke.

Literatur: AK 700 Jahre Augsburger Stadtrecht, S. 175, Nr. 252. - AK Elias Holl, S. 290, Nr. 142. - AK Kurzweil viel ohn Maß und Ziel, S. 47, Nr. 18b. - Haemmerle, Hochzeitsbücher.

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