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20.11.2018

Archivale des Monats

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März 2012

Das Ehrenbuch der Augsburger Patrizierfamilie Herwart

1544

Die Herwart sind eine seit mindestens 1265 in Augsburg nachweisbare Patrizier- und Kaufmannsfamilie (laut Ehrenbuch sogar seit 1145) und zählen damit zu den ältesten Augsburger Patriziergeschlechtern überhaupt. Das Ehrenbuch wurde von Clemens Jäger geschrieben (um 1500-1561), einem Schuster, der autodidaktisch als Meistersinger, Archivar und Geschichtsschreiber in Erscheinung trat und mehrere Ehrenbücher für die Augsburger Patrizierfamilien Fugger, Pfister und Rehlinger schuf. Nachdem Jäger 1540 eine Ratsdienerstelle erhalten hatte, wurde er auch mit der Neuordnung des reichsstädtischen Archivs betraut, wodurch sich ihm zahlreiche Quellen für seine historischen Arbeiten erschlossen.

Das Äußere des Herwartschen Ehrenbuches, aber auch der innere Aufbau, der Buchschmuck und die Wappenmalereien erinnern an die im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrten Jägerschen Handschriften (Consu-lats- und Vogtbuch). Bereits die Vorrede im Ehrenbuch mit ihrer Lobpreisung der edlen Kunst der Historienschreibung zeigt die enge Verwandtschaft zur Einleitung des Consu-latsbuches. Das Ehrenbuch für die Herwart war 1544 im Auftrag von Georg Herwart (1498-1567) und dessen Gemahlin Veronica, geb. Bimmel, gefertigt worden, die 1523 geheiratet hatten. Der Zwinglianer Georg Herwart war von 1539 bis 1548 Bürgermeister der Reichsstadt Augsburg. Clemens Jäger wird zwar nicht namentlich als Verfasser des Ehrenbuches der Herwart genannt, in der Vorrede sind aber indirekte Hinweise auf seine Autorschaft zu finden. Das Ehrenbuch selbst umfasst drei Teile: 1. Die Genealogie der Herwart mit den Wappendarstellungen der Familienmitglieder, 2. Auszüge aus dem Teil des Consulatsbuches über die Geschlechter von 1368 und 3. eine Liste der Bürgermeister seit 1368. Das Herwartsche Ehrenbuch zählt zu den illustrierten Prachthandschriften, die in der Werkstatt des Augsburger Malers Jörg Breu d.J. mit reichem malerischem Schmuck versehen wurden. In den Arbeiten des Ehrenbuches sind insgesamt sieben Hände zu erkennen.

Literatur: AK Elias Holl, S. 305f., Nr. 176 u. Farbtafel XLV. - AK Kurzweil viel ohn' Maß und Ziel, S. 32f. - AK 700 Jahre Augsburger Stadtrecht, Nr. 253. - AK Welt im Umbruch, Bd. 1, S. 223f., Nr. 161. - Augsburg. Geschichte in Bilddokumenten, Nr. 169. - Dirr, Clemens Jäger. - Rohmann, S. 24-67. - Rötthinger. - Roth, Clemens Jäger. - Strieder, S. 120-128.

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