Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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24.04.2018

Buchpräsentation "Deutsche Reichstagsakten" am 23. Oktober 2007

Am 23. Oktober 2007 präsentierten die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und das Stadtarchiv Augsburg gemeinsam im Felicitassaal des Maximilianmuseums die neuesten Bände zu den Augsburger Reichstagen 1547/48, 1550/51, 1555 und 1582 aus dem traditionsreichen Quelleneditionsunternehmen "Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe".

Nach einleitenden Worten von Bürgermeisterin Eva Leipprand ("Geschichte als Impuls kultureller Stadtentwicklung"), Dr. Christoph Emmendörffer, dem Leiter des Maximilianmuseums ("Stadtgeschichte im Maximilanmuseum") und Dr. Cramer-Fürtig, dem Leiter des Stadtarchivs ("Dokumente des Stadtarchivs zu den Augsburger Reichstagen 1547/48, 1550/51, 1555 und 1582") hielt Prof. Dr. Eike Wolgast, der Leiter der Abteilung Deutsche Reichstagsakten, Jüngere Reihe, den historischen Fachvortrag zum Thema "Augsburg - Reichstage und Reichstagsstadt im 16. Jahrhundert".

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Eike Wolgast:

Prof. Dr. Eike Wolgast (Universität Heidelberg) berichtete zunächst in seinem Vortrag, daß die Edition der Deutschen Reichstagsakten in vier Reihen einen Schwerpunkt der historischen Grundlagenforschung bildet, die die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften leistet. Seit ihrer Gründung auf Anregung Leopold von Rankes durch König Maximilian II. im Jahr 1858 werden die Reichstagsakten ediert. Die „Ältere Reihe“ setzt 1376 ein, die „Mittlere Reihe“ behandelt die Reichstage unter Kaiser Maximilian I. (1486-1518).

Im Mittelpunkt des Vortrags standen die elf Reichstage, die im 16. Jahrhundert in der Reichsstadt Augsburg stattfanden (1500, 1510, 1518, 1525/26, 1530, 1547/48, 1550/51, 1555, 1559, 1566, 1582). Mit Nürnberg und Regensburg war Augsburg die Stadt, in der die meisten Reichstage in jener Zeit stattfanden. Sie werden in der „Jüngeren Reihe“ (Kaiser Karl V. 1519-1556) und der vierten Reihe „Reichsversammlungen 1556-1662“ dokumentiert. Von den elf Augsburger Reichstagen liegen bereits Editionen zu den Reichstagen von 1547/48, 1550/51, 1559, 1566 und 1582 vor, die zu 1555 steht vor der Publikation. Sie dokumentieren sehr breit das Reichstagsgeschehen, wenn auch zuletzt die Editionsprinzipien gestrafft wurden, um die Arbeiten in absehbarer Zeit zu einem erfolgreichen Ende zu führen. In ihrer Breite bieten die Quellen Ansatzpunkte für die politische Geschichte ebenso wie für Rechts-, sozial, kultur- oder auch alltagsgeschichtliche Fragestellungen und nicht zuletzt für die Behandlung stadtgeschichtlicher Themen.

So machte Professor Wolgast sehr deutlich, daß die Reichstage in Augsburg (die Kaiser schätzten die Stadt wegen ihrer Möglichkeiten zur Jagd und der guten Lage, Kaiser Karl V. vor allem wegen der Nähe zu Italien) häufig eine Last waren. Für die Stadt und die Bevölkerung bedeuteten die Reichstage, die im 16. Jahrhundert teilweise in sehr kurzen Zeitabständen in der Reichsstadt stattfanden (nur dort war der Kaiser Stadtherr) z. B. 1550/51 massive Einschränkungen. So wurden die Gesandten der Reichsstände, die am Reichstag teilnahmen, um über Politik, die Religionsfrage, die Türkenabwehr, Steuern und einzelne Beschwerden (sogenannte Supplikationen) zu beraten, in den Häusern der Stadt einquartiert, die Bewohner ausquartiert. Durch die mehrere tausend Reichstagsbesucher verknappten sich die Waren und wurden teurer. Professor Wolgast betont, daß die städtische Chronistik kaum Positives berichtet, hält dem aber entgegen, daß so viele Besucher auch Geld in der Stadt gelassen haben dürften.

Mit ihren Editionen zu den Reichstagen des 16. Jahrhunderts leistet die Historische Kommission einen Beitrag zur historischen Grundlagenforschung mit europäischer Dimension und hilft auch ganz wesentlich, die Schätze der Archive, darunter auch des Stadtarchivs in Augsburg, zu erschließen und das kulturelle Erbe zu sichern.
Insbesondere auf den Reichstagen von 1530 (Confessio Augustana) und 1555 (Augsburger Religionsfrieden) ist Weltgeschichte gemacht worden.

Deutsche Reichstagsakten
Jüngere Reihe. Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V.
Bd. XVIII: Der Reichstag zu Augsburg 1547/48
Ursula Machoczek (Bearbeiter)
2006. XII, 2760 S., in 3 Teilbänden , Ln.
€ 328,00
ISBN 978-3-486-57820-1

Der Reichstag zu Augsburg 1550/51 ist der letzte, der vom Kaiser persönlich geleitet wurde, und sollte hauptsächlich der Durchsetzung der auf dem Reichstag von Augsburg 1547/48 erlassenen Religionsdekrete dienen. Der Verlauf der Verhandlungen zeigt aber, dass die kaiserliche Machtstellung ihren Höhepunkt überschritten hatte und sich ständischer (evangelischer wie katholischer) Widerstand gegen die Pläne des Kaisers zu organisieren begann. Auffallend ist hier die Stellung König Ferdinands, der zunehmend als Mediator zwischen den Ständen und dem Kaiser in den Vordergrund trat. Eine besondere Bedeutung hat der Reichstag aufgrund der in dieser Breite erstmals zusammengestellten Supplikationen, die von allen Bevölkerungsschichten eingereicht wurden. Sie geben Aufschlüsse über die Arbeitsweise von Reichstagsgremien ebenso wie über die "Alltagsgeschichte" in der Frühen Neuzeit.

Deutsche Reichstagsakten
Jüngere Reihe. Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V.
Bd. XIX: Der Reichstag zu Augsburg 1550/51
Erwein Eltz (Bearbeiter)
2005. 1681 S., in 2 Teilbänden , Ln.
€ 258,00
ISBN 978-3-486-57658-0

Der Reichstag zu Augsburg 1550/51 ist der letzte, der vom Kaiser persönlich geleitet wurde, und sollte hauptsächlich der Durchsetzung der auf dem Reichstag von Augsburg 1547/48 erlassenen Religionsdekrete dienen. Der Verlauf der Verhandlungen zeigt aber, dass die kaiserliche Machtstellung ihren Höhepunkt überschritten hatte und sich ständischer (evangelischer wie katholischer) Widerstand gegen die Pläne des Kaisers zu organisieren begann. Auffallend ist hier die Stellung König Ferdinands, der zunehmend als Mediator zwischen den Ständen und dem Kaiser in den Vordergrund trat. Eine besondere Bedeutung hat der Reichstag aufgrund der in dieser Breite erstmals zusammengestellten Supplikationen, die von allen Bevölkerungsschichten eingereicht wurden. Sie geben Aufschlüsse über die Arbeitsweise von Reichstagsgremien ebenso wie über die "Alltagsgeschichte" in der Frühen Neuzeit.

Deutsche Reichstagsakten
Reichsversammlungen 1556-1662
Der Reichstag zu Augsburg 1582
Josef Leeb (Bearbeiter)
2007. 1540 S., in 2 Teilbänden , Ln.
€ 248,00
ISBN 978-3-486-58139-3

Die Edition revidiert das negative Bild, das die historische Literatur vom Augsburger Reichstag 1582 vielfach entworfen hat. Sie belegt die Funktionsfähigkeit des Reichstags trotz der problematischen Magdeburger Sessionsfrage und der Forderungen der Reichsstädte im Hinblick auf ihre reichsrechtliche Position. Beide Themen bedingten temporäre Beratungsverzögerungen, ohne aber die Beschlussfähigkeit des Reichstags zu gefährden. Auch die Verabschiedung einer Türkensteuer in beträchtlicher Höhe dokumentiert die Kooperation zwischen Kaiser und Ständen in der noch anhaltenden Konsolidierungsphase im Reich nach dem Friedenswerk von 1555. Josef Leeb legt, ergänzt durch die ausführliche Kommentierung und das umfangreiche Register ein wichtiges Hilfsmittel für die Frühe Neuzeit-Forschung vor.