Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
25.04.2018

Zu wessen Nutz und Frommen?

Die Säkularisation in Augsburg 1802/03

200 Jahre Säkularisation, 200 Jahre Aufhebung der Augsburger Klöster. So wie im ganzen Deutschen Reich wurden 1802/03 auch in der freien Reichsstadt alle geistlichen Besitztümer enteignet. 

Die Stadt bekam auf diese Weise Gebäude und Gärten von nicht weniger als 14 Klöstern, Stiften und Konventen, sowie alle Besitzungen des Hochstifts und des Domkapitels innerhalb der Mauern. Rund ein Drittel des Stadtgebiets wechselte auf diese Weise den Besitzer. Eine Eigentumsverschiebung zu Gunsten der Stadt, die in der Geschichte Augsburgs nicht ihresgleichen hat. Dazu kommt: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte war die Stadt damit alleinige Herrin in ihren Mauern. Freilich wurden die Hoffnungen auf finanziellen Gewinn nur zum kleinsten Teil erfüllt. Viele Klöster waren hoch verschuldet, den jetzt "arbeitslosen" Mönchen und Nonnen mussten Pensionen gezahlt werden, der Verkauf des neuen Eigentums war oft nicht möglich oder brachte weniger Gewinn als erwartet. Die sorgsam austarierte Augsburger Parität erlaubte es zudem nicht, bei der Enteignung des katholischen Besitzes allzu rigoros vorzugehen. Da man mit vielen der enteigneten Gebäuden gar nichts anfangen konnte, ließ man sie leer stehen oder erlaubte den ehemaligen Besitzern weiterhin dort zu wohnen und zu beten. Die freie Reichsstadt konnte sich zudem nur wenige Jahre ihres neuen Besitzes erfreuen. 1806 wurde sie vom neuen Königreich Bayern annektiert und zur bayerischen Provinzstadt gemacht. Die säkularisierten Klöster wurden nun als Kasernen oder Militärmagazine genutzt. 

Die Ausstellung "Zu wessen Nutz und Frommen" will Ablauf und Folgen der Säkularisation in der Stadt Augsburg am Beispiel dreier Klöster und des bischöflichen Hochstifts veranschaulichen. Die Veranstalter - die Freundeskreise des Gymnasiums bei St. Stephan und des Holbein-Gymnasiums, das Archiv des Bistums Augsburgs sowie das Römische Museum - sind selbst Betroffene. Ihre Einrichtungen befinden sich in säkularisierten Klöstern bzw. sind Nachfolger der aufgehobenen kirchlichen Institutionen. Das Haus der Bayerischen Geschichte hat die Erarbeitung tatkräftig unterstützt, die Stadt Augsburg hat Bilder und Dokumente aus ihren Kunstsammlungen und Archiven für Reproduktionen kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Das Stadtarchiv Augsburg war naturgemäß die Schlüsselstelle für alle Recherchen. Die hier aufgefundenen Akten, Stiche und Urkunden bilden die Grundlage der Ausstellung. Einige werden zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. 

Die Ausstellung wird an vier Orten gezeigt: 

  • 7. - 24. Oktober 2003 im Holbein-Gymnasium (Kapitelsaal), Hallstraße 10 
  • 3. - 27. November 2003 im Bistumsarchiv, Hafnerberg 2 
  • 2. Dez. 2003 - 12. Jan. 2004 im Römischen Museum, Dominikanergasse 15 
  • 16. Jan. - 14. Feb. 2004 im Gymnasium bei St. Stephan, Gallusplatz 2 

Der Eintritt ist frei. Führungen werden zu festen Terminen oder auf Nachfrage angeboten. Der reich bebilderte Katalog ist an den Ausstellungsorten und im Buchhandel erhältlich. 

Ansprechpartner: Thomas Felsenstein,  Haus der Bayerischen Geschichte,  Halderstraße 21, 86150 Augsburg,  Thomas.Felsenstein(at)hdbg.bayern.de