Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
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20.04.2018

Brecht Bertolt (Eugen Berthold Friedrich)

* 10.2.1898 A., † 14.8.1956 Berlin, Schriftsteller. B.s kath. Vater Berthold Friedrich B. stammte aus Achern (Baden), die ev. Mutter Sophie Brezing aus Roßberg bei Bad Waldsee. Der Vater war seit 1893 kaufmännischer Angestellter der Haindlschen Papierfabrik, 1901 dort Prokurist, 1917 kaufmännischer Direktor. Erste Wohnung der 1897 ev. getrauten Eltern Auf dem Rain 7 (heute B.-Haus), wo B. auch geboren wurde. Ein halbes Jahr später Umzug in eine Wohnung Bei den Sieben Kindeln 1 (Gedenktafel). Im Sept. 1900 Umzug in das Haus Bleichstraße 2 (Haindlsche Stiftungshäuser). Hier verbrachte B. seine Kindheit und Jugend (Gedenktafel) und auch später bis zur Emigration jedes Jahr mehrere Wochen und Monate. Die prot. Erziehung (Taufe am 20.3.1898, Konfirmation am 29.3.1912 in der Barfüßerkirche) und die enge Vertrautheit mit der Bibel prägten B.s Persönlichkeit und Werk. Ab 1908 Besuch des Realgymnasiums (Peutinger-Gymnasium), wo 1911 C. Neher sein Klassenkamerad wurde, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Erste literarische Versuche 1913/14 in der Schüler-Zs. „Die Ernte“, darunter der Einakter „Die Bibel“. 1914/15 erste Veröffentlichungen in A.er Zeitungen (Pseudonym Berthold Eugen), fast alle angesichts des Ersten Weltkriegs getragen von nationalem Pathos und patriotischem Gefühl. 1916 Abkehr von der Kriegsbejahung; er publizierte jetzt erstmals unter dem Namen Bert B. Ostern 1917 Kriegsnotabitur. Seit Okt. 1917 Studium der Medizin und Germanistik in München, das er nach dem Juni 1919 nur noch pro forma fortsetzte (Exmatrikulation 1921). 1.10.1918-9.1.1919 Sanitätssoldat in einem Reservelazarett in A. Im Kreise seiner A.er Freunde (Georg Pfanzelt, C. Neher, Otto Müllereisert, H. O. Münsterer u.a.), mit denen er ein ausgelassenes provozierendes Treiben inszenierte, entstanden seit 1916 eine große Zahl von Gedichten, meist Lieder und Balladen zur Klampfe, und 1918 sein erstes größeres Drama „Baal“. 

Am 30.7.1919 wurde B. in Kimratshofen (Allgäu) von seiner Jugendgeliebten P. Banholzer sein Sohn Frank geboren. Okt. 1919 bis Jan. 1921 Theaterkritiker des „Volkswillen“, der A.er Tageszeitung der USPD. Die von Sept. 1919 bis Mai 1921 in A. engagierte Opernsängerin M. Zoff wurde am 3.11.1922 in München B.s erste Ehefrau; am 12.3.1923 Geburt der Tochter Hanne (Hiob). Die Uraufführung von „Trommeln in der Nacht“ an den Münchner Kammerspielen am 29.9.1922, Anfang 1919 in A. unter dem Eindruck der Novemberrevolution entstanden, brachte den Durchbruch B.s als Dramatiker. Im Sept. 1924 Übersiedelung nach Berlin, wo die Schauspielerin Helene Weigel am 3.11.1924 seinen Sohn Stefan zur Welt brachte. 1926 begann B. sich mit der marxistischen Lehre zu beschäftigen und seine Theorie des „epischen Theaters“ zu entwickeln, das dem kritischen Zuschauer die Abhängigkeit des Menschen von ökonomisch-politischen Verhältnissen und zugleich deren Veränderbarkeit demonstrieren will. 1927 erschien die „Hauspostille“, eine Auswahl seiner frühen, zum Großteil in A. entstandenen Gedichte. 1928 wurde die „Dreigroschenoper“ (Musik: Kurt Weill) uraufgeführt, die B. weltberühmt machte. 1930 Uraufführung der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (Musik: Kurt Weill) in Leipzig. Nach der Scheidung von M. Zoff 1927 heiratete B. 1929 Helene Weigel; am 18.10.1930 Geburt der Tochter Barbara. In der Endphase der Weimarer Republik versuchte B. die Arbeiterbewegung mit Lehrstücken, dem Revolutionsdrama „Die Mutter“ (1932) nach Maxim Gorki und politischen Liedern und Chören (Zusammenarbeit mit dem Komponisten Hanns Eisler) zu stärken. 

Am 28.2.1933, einen Tag nach dem Reichstagsbrand, ging B. in die Emigration und lebte mit seiner Familie bis 1939 auf der dänischen Insel Fünen. Seine schriftstellerischen Arbeiten der ersten Exiljahre wie „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ standen fast ausschließlich im Dienst der unmittelbaren Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Seit 1938 verfaßte B. seine dramatischen Meisterwerke in den Formen der historischen Biographie, der Parabel und des Volksstücks: „Leben des Galilei“, „Mutter Courage und ihre Kinder“, „Der gute Mensch von Sezuan“ und „Herr Puntila und sein Knecht Matti“; 1944 entstand „Der kaukasische Kreidekreis“ mit einem Stoff, den B. schon 1940 in der Erzählung „Der A.er Kreidekreis“ gestaltet hatte. 

Im Zweiten Weltkrieg flüchtete B. über Schweden (1939/40) und Finnland (1940/41) in die USA nach Santa Monica. Im Nov. 1947 Rückkehr nach Europa. Er ließ sich zunächst in der Schweiz nieder und übersiedelte 1949 nach Ost-Berlin; dort baute er sein Modelltheater, das „Berliner Ensemble“, auf, das in den 50er Jahren zum wichtigsten dt.-sprachigen Theater wurde. Einer der großen Dichter des 20. Jh.s, nicht nur als Dramatiker und Theatertheoretiker und -praktiker, sondern auch als Lyriker und Erzähler.