Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
24.04.2018

Holbein, Künstlerfamilie

Hans d.Ä.

* um 1460/65 wohl in A., † 1524 vermutlich am Oberrhein, Maler, Zeichner. Bedeutendster Künstler des Übergangs von der Spätgotik zur Renaissance in A. Über Ausbildung und Gesellenzeit ist nichts bekannt. Frühe Nachrichten über Kontakte mit der Bildhauerfamilie Erhart, wohl zeitweise in Ulm ansässig. Ein erstes Hauptwerk, Flügel eines Altars für Weingarten (1493; jetzt im Dom), und frühe Marienbilder zeigen starken niederländischen Einfluß. 1500/02 in Frankfurt großes Altarwerk für die Dominikaner. Nach Rückkehr nach A. zahlreiche Aufträge für Kirchen der Stadt (Dombild 1508/09; Werke für St. Ulrich und Afra, St. Moritz, St. Katharina u.a.), versucht seinen Stil, vielleicht unter Einfluß Burgkmairs, von spätgotischer Trockenheit und Linearität zu befreien und durch Renaissanceformen, farbigen Reichtum und größere räumliche Auflockerung zu modernisieren (Sebastiansaltar, 1516, Alte Pinakothek München). Auch für Glasmalerei tätig, aber der Druckgraphik verschlossen, war er ein unermüdlicher Zeichner, der seine Kompositionen sorgfältig vorbereitete. Bedeutend und einzigartig sind v.a. seine psychologisch treffenden Porträtstudien in Silberstiftzeichnung. Ab 1516 Aufträge am Oberrhein, wo er in Basel, Luzern und Isenheim nachweisbar ist, die Kontakte zu A. aber nicht abbrach (großformatiges Spätwerk „Lebensbrunnen“, 1519; Nationalmuseum, Lissabon).

Sigmund

† Nov. 1540 Bern. Jüngerer Bruder von 1), war in A. offenbar stets in dessen Werkstatt tätig. Zog zu unbekannter Zeit nach Bern. Trotz mancher Zuschreibungen ist von seiner Kunst kein klares Bild zu erhalten, da Signaturen und damit gesicherte Werke fehlen.

Ambrosius

* 1494 A., † um 1519 wohl in Basel. Sohn von 1), zeigte sich in seiner kurzen Schaffenszeit als sensibler und begabter, an den Stil des Vaters anknüpfender Maler und Zeichner. 1514/15 am Bodensee tätig (Konstanz, Stein am Rhein), zog er weiter nach Basel, wo er 1517 Meister wurde, malte und Buchillustrationen entwarf. Ab 1519 verliert sich seine Spur.

Hans d.J.

* 1497/98 A., † 1543 London, Maler, Zeichner (Holz- und Metallschnitt). Sohn von Holbein d. Ä. und bedeutendstes Glied der Künstlerfamilie. Nach Ausbildung in der väterlichen Werkstatt verließ er A. wohl schon 1514/15, um nicht mehr zurückzukehren. Sein steiler Aufstieg begann in Basel durch Kontakt mit einflußreichen Kreisen (Bgm. Jakob Meyer) und Bekanntschaft mit Erasmus von Rotterdam. Fassadenmalereien in Luzern und Basel festigten seinen Ruhm. 1524 Reise nach Frankreich; 1526-1528 in Antwerpen und England, wo er u.a. den Kanzler Thomas Morus malte. 1528-1532 wieder in Basel, wo er den Bildersturm erlebte und Wandmalereien im Rathaus, bedeutende Scheibenrisse und Holzschnittfolgen (Altes Testament, Todesbilder) schuf. Danach wieder in London tätig für dt. Kaufleute im Stahlhof und für den kgl. Hof; ab 1537 Hofmaler Heinrichs VIII. In seinen gemalten und gezeichneten Porträts bürgerlicher und adliger Zeitgenossen prägte er entscheidend das überlieferte Menschenbild der Renaissance. Sein Enkel Philipp (* um 1553, † um 1629) lebte um 1600 in A. und war Silberhändler, Edelsteinschleifer und ks. Hofjuwelier.