Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
24.04.2018

Holl, Elias

* 28.2.1573 A., † 6.1.1646 A., Baumeister u Schon sein Urgroßvater Jacob H. (* 1413, † 1487) war als Maurer tätig. Sein Großvater Sebastian H. (um * 1482 A., † um 1545 A.) errichtete u.a. das Pfarrhaus von St. Ulrich und Afra. Dessen erster Sohn Johannes (* um 1512 A., † 1.1.1594 A.), H.s Vater, war ein gefragter Baumeister der A.er Oberschicht. Er arbeitete als Werkmeister der Fugger und zuletzt als Stadtwerkmeister. Von seinen zahlreichen Bauten sind nur wenige erhalten (z.B. St. Markus in der Fuggerei, Turm der Kirche von Maria Stern). E.H. entstammte der zweiten Ehe des Hans H. mit Barbara Hohenauer. Die Lehrjahre verbrachte er beim Vater. Nach der Meisterprüfung 1596 arbeitete er zunächst für private Auftraggeber (Torbau des Wellenburger Fuggerschlosses, Wohnhäuser für Harter (Harter-Haus), Cron und Garb). Um die Jahreswende 1600/1601 Reise nach Venedig mit Anton Garb. Danach erste öffentliche Aufträge: 1601 Geschützgießhaus, 1602 Bäckerhaus.

1602 löste er J. Eschey als Stadtwerkmeister ab, ein Amt, das er mit Unterbrechung 1631/32 (Restitutionsedikt) bis 1635 innehatte. Seine Bauten bestimmen bis heute maßgeblich das A.er Stadtbild: Stadtmetzg, Kaufhaus, Gymnasium bei St. Anna, Neuer Bau, Umbau des Perlachturms, Rathaus, Heilig-Geist-Spital und das 1809 abgebrochene Siegelhaus. In seinen Aufgabenbereich fielen auch technische Bauten (z.B. Wasserturm am Gänsbühl, Barfüßerbrücke) und der Ausbau der Stadtbefestigung (Um- bzw. Neubau von Gögginger-, Klinker-, Wertachbrucker- und Rotem Tor) - insgesamt weit über 100 Einzelmaßnahmen. Außerhalb A.s war er als Gutachter tätig (Neuburg) und lieferte Entwürfe für die Wallfahrtskirche Maria Hilf auf dem Lechfeld, Schloß Schwarzenberg bei Scheinfeld und die Willibaldsburg bei Eichstätt. H. wurde in eine „Baukonjunktur“ hineingeboren: Seit 1592 (Bau des Augustusbrunnens) setzte der A.er Rat ein urbanistisches Programm ins Werk, das nicht zuletzt dem unterbeschäftigten A.er Bauhandwerk Arbeit verschaffen sollte. Maßgeblichen Einfluß auf dieses Programm dürfte der Humanist M. Welser genommen haben. Bei der Konzeption von Fassaden und architektonischen Details arbeitete H. mit anderen Künstlern, v.a. mit den Malern J. M. Kager und J. Heintz, zusammen.

Durch seine berufliche Karriere wurde H. vermögend. Der Umzug von der Bäckergasse im Handwerkerviertel in die heutige Kapuzinergasse 16 (Lit. B 146) in der vornehmen Oberstadt (1618) dokumentiert sozialen Aufstieg. H. war zweimal verheiratet. Von den acht Kindern aus erster Ehe mit der Kuttelwäschertochter Maria Burkart überlebten nur zwei den frühen Tod der Mutter († 30.1.1608). Mit seiner zweiten Frau, der Gürtlertochter Rosina Reischler († 21.11.1635), hatte er 13 Kinder. Seine Töchter heirateten innerhalb des Handwerkerstandes, von seinen Söhnen lernten vier das Goldschmiedehandwerk, einer wurde Maler. Nur Matthias H. wurde Maurer und arbeitete gegen Ende des 30jährigen Kriegs als Architekt des schwedischen Adels. Im April 1635 verließen drei seiner Söhne (Elias, Hieronymus und Hans) mit der schwedischen Garnison A. Ihre Spuren verlieren sich in Erfurt und Leipzig. Über H.s letzte Lebensjahre ist nichts bekannt. Er wurde auf dem prot. Friedhof vor dem Roten Tor (Friedhöfe) begraben. Sein Grabstein wurde später an der Treppe des Rathauses angebracht. H. war, wie sein Bücherbesitz zeigt, ein belesener Mann; er hinterließ einen (bis heute unpublizierten) Traktat, der sich mit praktischen Fragen des Bauens befaßt, und eine Chronik, die familiäre Ereignisse und seine wichtigsten Bauunternehmungen dokumentiert. H. ist Vertreter eines eigenständigen Architekturstils der mitteleuropäischen Renaissance, der in sein Werk lokale Traditionen und italienische Einflüsse integrierte. u 1882 wurde der Platz hinter dem Rathaus für den Neubau eines Verwaltungsgebäudes freigelegt. Nach Bürgerprotesten blieb der Platz frei und erhielt den Namen E.H.-Platz (Jakobervorstadt-Süd, Stpl. K 8).