Zurück

Kilian, Künstlerfamilie

Vom 16. bis zum 18. Jh. in A. nachweisbar. Die Söhne des Goldschmieds Bartholomäus d.Ä. (* 1548 Schlesien, † 1583 A.), Lukas und Wolfgang, waren die ersten Kupferstecher der Familie.

Lukas

* 1579 A., † 1637 A., Kupferstecher, Zeichner. Schüler seines Stiefvaters D. Custos. 1601-1604 Italienreise mit längerem Venedig-Aufenthalt. Nach Rückkehr im Verlag des Stiefvaters tätig; nach dessen Tod Zusammenarbeit mit seinem Bruder Wolfgang. 1611 in den Großen, 1632 in den Kleinen Rat gewählt. Gehörte 1629 der Delegation von vier A.er Bürgern an, die Kurfürst Johann Georg von Sachsen um Hilfe für die bedrängten A.er Protestanten bat. Einer der bedeutendsten Kupferstecher seiner Zeit. Fertigte Porträtstiche, mythologische Darstellungen sowie bes. Ornamentstiche voller Erfindungsreichtum und überschäumender Phantasie. Sieben Zeichnungen in den StK A.

Wolfgang

* 10.5.1581 A., † 1662 A., Kupferstecher. Wie sein Bruder 1) Schüler des Stiefvaters D. Custos. 1604-1608 Reise nach Mailand, Mantua, Rom und Venedig, auf die zahlreiche Nachstiche nach Gemälden von Tintoretto, Veronese und Bassano zurückgehen. 1611 Heirat in A. In dieser frühen Zeit entstanden zahlreiche Pflanzendarstellungen zum „Hortus Eystettensis“. Schuf Porträts, die den größten Teil seines Werkes bilden, sowie einen Stadtplan von A. (1626), ein Meisterwerk der Kartographie (S. 20 f.; Stadtpläne). Brachte auch Architekturprospekte von Rathaus und Zeughaus im Kupferstich heraus. Eine Zeichnung in den StK A.

Johann

* 24.11.1623 A., † 1697 A., Goldschmied. Sohn von 1). Lehre beim Vater und einem A.er Goldschmied. 1648 Italienreise (Florenz, Rom, Venedig) mit seinem Bruder 4). Galt als geschickter Goldschmied, der seine Modelle selbst zeichnete und posierte. Sein bedeutendstes Werk ist die 1693 in Kupfer getriebene „Dreifaltigkeitssäule Auf dem Graben in Wien“.

Philipp

* 8.7.1628 A., † 14.10.1693 A., Kupferstecher. Sohn und Schüler von 2). 1648 zusammen mit seinem Bruder 3) Italienreise. Nach Rückkehr 1651 Heirat. Als bei Adel und Patriziat gesuchter Porträtstecher häufig Aufträge bis nach Mannheim, Frankfurt/M. und Leipzig.

Bartholomäus d.J.

* 6.5.1630 A., † 15.1. 1696 A., Zeichner, Kupferstecher. Sohn und Schüler von 2). Geselle bei Matthäus Merian in Frankfurt und François Poilly in Paris. 1655 erste, 1679 zweite Heirat. Gefragtester Porträtstecher seiner Zeit dank seiner flüssigen Technik, die er sich in Frankreich angeeignet hatte. Sein größtes Porträt, das Reiterbildnis Ks. Josephs (Wien 1694), wurde von acht Platten gedruckt. Schuf daneben Thesenblätter sowie religiöse und mythologische Darstellungen.

Wolfgang Philipp

* 1.5.1654 A., † 3.4.1732 Königsberg, Zeichner, Kupferstecher. Sohn und Schüler von 4). Weitere Ausbildung in Leipzig und Dresden. Heiratete in A. 1677, 1695 und 1696. Verließ 1703 A. und arbeitete für den Verleger Friedrich Rothscholtz in Nürnberg als Stecher. Seit 1724 in Königsberg. Sein umfangreiches Werk (v.a. Porträtstiche) zeigt nur mäßiges Niveau.

Jeremias

* 22.7.1665 A., † 23.8.1730 A., Kupferstecher. Sohn von 4); ging nach der Lehrzeit beim Vater nach Leipzig, wo er bei dem aus A. gebürtigen Kupferstecher, Johann Christoph Böcklin, arbeitete. 1690 Rückkehr nach A. und Heirat, zweite Eheschließung 1703. Sein künstlerisches Werk, vorwiegend Porträtstiche, ist nach Umfang und Qualität unbedeutend.

Georg

* 30.12.1683 A., † 18.7.1745 A., Maler, Schabkünstler. Sohn von 6). 1694-1700 Lehre bei I. Fisches. Anschließend Reise durch Sachsen und Brandenburg (längerer Aufenthalt in Berlin); über Wien und Nürnberg Rückkehr nach A. Heirat 1708. Auf dem Reichstag in Regensburg Pastell-Porträts der Reichsgesandtschaft; daneben auch für den Bayreuther Hof tätig. Schuf auch Thesenblätter, mythologische und Genredarstellungen, die im eigenen Verlag erschienen.

Georg Christoph

* 4.1.1709 A., † 15.6.1781 A., Kupferstecher, Schabkünstler. Ältester Sohn und Schüler von 8) und letzter Künstler der Familie. Nach Lehrzeit Reisen nach Österreich und Ungarn, längerer Aufenthalt in Wien. Nach Rückkehr nach A. 1732 Heirat. Stach v.a. Porträts, Thesenblätter und Landschaftsprospekte. Darüber hinaus vielseitige Interessen als Sammler (Naturalien, Kunstbibliothek) und Forscher (Familienchronik). Schuf eine für die A.er Kunstgeschichte bedeutsame Serie von 142 Künstlerbildnissen nach älteren Vorlagen in Umrissen (z.T. die einzigen überlieferten Bildnisse A.er Künstler).

 

Philipp Andreas

* 20.10.1714 A., † 18.1.1759 A., Kupferstecher. Sohn und Schüler von 8). Nach Lehrzeit Weiterbildung bei Jakob Andreas Friedrich in A. und Georg Martin Preißler in Nürnberg. 1744 kgl. polnischer und kurfürstlich sächsischer Hofkupferstecher. Neben einfühlsam charakterisierenden Porträts, die an die besten zeitgenössischen Porträts heranreichen, wurde er v.a. durch seine Bilderbibel bekannt, die 130 Kupferstiche nach Vorlagen anderer Künstler umfaßt. Nach dem Bericht seines Bruders 9) soll er auch Ölgemälde und Kreidezeichnungen geschaffen haben, doch blieb davon nichts erhalten.

Christoph Gustav

* 14.3.1724 A., † 1776, Pastellmaler, Schabkünstler. Sohn von 8). Von ihm sind nur einige Schabkunstblätter überliefert. Lange Zeit im württembergischen, preußischen und holländischen Militärdienst. War danach als Händler ostindischer Waren in Den Haag tätig.

Georg Martin

* 1739 A., † 1760 A., Kupferstecher. Sohn und Schüler von Philipp Andreas. Übernahm zusammen mit seiner Stiefmutter den Kunstverlag des Vaters und das ererbte Viertel des großväterlichen Verlags von M. Engelbrecht. Starb an den Blattern. Von ihm ist nur eine Radierung überliefert.