Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
24.04.2018

Lang (Longus, „von Werd“, „von Wellenburg“), Patrizierfamilie

1310 (1300?) bis 1526 in A. nachweisbar. 1498 Reichsadel. Die Identität der patrizischen L. des 15. Jh.s mit den L. „von Werd“ ist bisher nicht sicher nachgewiesen, jedoch durch Siegelvergleich mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erschließen. Ein „Ulricus Longus civis in Werde“ erscheint 1293 als Zeuge. Bei ihm handelt es sich offensichtlich um den 1292 als Weinlieferant Herzog Ludwigs des Strengen erwähnten „longum civem werdensem“, der noch bis 1298 in Donauwörth faßbar ist. Wahrscheinlich ist er auch identisch mit jenem „Ulricus de Werdea“, der 1300 mit seinem Sohn Konrad A.er Bürgerrecht erwarb, denn der im bayerischen Teilungsvertrag von 1310 als Gläubiger genannte „Lang von Werde“ war A.er Bürger; sein Darlehen von 3200 Pfund fatierte in A.er Pfennigen.

Ulrich und Konrad

Ab 1318 lassen sich Ulrich L. „von Werd“ († 19.10. vor 1330) und Konrad (I) L. „von Werd“ († 20.4.1344), also wohl Vater und Sohn, mit vollem Namen fassen. Konrad (I) wurde 1320 erstmals zum Stpf. gewählt und zählt bis 1340 zu den führenden A.er Politikern. Die häufige Verwendung als Gesandter zum König und eine Jahrtagsstiftung in Dießen sprechen für weiterhin gepflegte Kontakte zum bayerischen Herzogshaus. In A. erscheint er 1325 als Weinhändler. Seine beiden Söhne sind bis 1377 meist im Umfeld der eng verwandten Onsorg nachweisbar. Danach fehlen fast 25 Jahre Belege für patrizische L.; eine zeitweilige Abwanderung erscheint nicht ausgeschlossen. Als Patrizier sicher identifizierbar ist erst wieder Paul (I, † 1437/38), der bei seiner ersten Erwähnung 1401 ein AV von nur 360 fl versteuerte, während seine Frau etwa 1000 fl (1402) in die Ehe einbrachte. In den nächsten Jahren ist eine erfolgreiche Beteiligung am Fernhandel belegt. 1413 erscheint er als Venedighändler; auch sein 1411-1416 erwähnter Handelsdiener Friedrich Kön war für ihn wohl in Italien tätig. Ab 1413 im Rat nachweisbar, gelangte er 1420 in den engeren Führungszirkel und wurde 1426 zum Stpf. gewählt. Wohl wegen seiner politischen Karriere scheint er sich in den 20er Jahren aus dem Handel zurückgezogen haben. Der älteste Sohn Paul (II, † 1437) starb vor dem Vater, die fünf jüngeren Söhne verschwinden 1440, nach Ächtung des Jüngsten wegen Urkundenfälschung, aus den Quellen. Kinder sind nur für Paul (II) belegt. Der Älteste, Johann (I, † 1509/10), wurde 1470 in den Rat und 1475 zum Dreizehner gewählt, gab aber um 1475, nach Erbanfall von Wellenburg, sein Bürgerrecht auf. Den Ratssitz übernahm der jüngere Bruder Paul (III, † 1511/12), der bis 1500 in dieser Funktion belegt ist.

Leonhard  I

(† 1498/99) amtierte nur als Richter. Als Kaufleute lassen sich die Brüder nicht fassen. Nach Teilung des recht bedeutenden mütterlichen Erbes (1465) versteuerten sie nur noch mittlere Vermögen. Leonhard zählte nach Heirat mit der vermögenden Witwe des B. Rehlinger 1486 allerdings zu den zehn reichsten A.er Bürgern. Sein Sohn Leonhard (II) ist als letztes Mitglied der L. in der Herrenstube belegt (1522); 1526 gab er sein Bürgerrecht auf. Bei den anderen L. begannen sich die Bindungen an A. schon ab 1510 zu lösen. Von Pauls (III) Söhnen wirkte Paul (IV, † 1521) als Domkustos in Freising; auch Thomas († 1522/32) lebte offensichtlich außerhalb A.s, Andreas L. († um 1531) ist 1512 als Pfleger in Straßberg bezeugt. Am deutlichsten läßt sich der Übergang in den Landadel bei Johann (I) und seinen Nachkommen verfolgen. Nach Anfall eines Teils der Herrschaft Wellenburg von dem Verwandten Ulrich Onsorg wurde er 1475 „landsässig“. Er bewohnte allerdings nicht das „Schloߓ, das im Besitz einer anderen Linie der Onsorg war, sondern einen Sitz in Göggingen. 1492 nahm er wieder Bürgerrecht an, wurde aber noch 1501 von Ks. Maximilian zum Pfleger von Wellenburg ernannt. Seine Erben verkauften den Wellenburger Besitz 1511 an den Miterben Matthäus (I), der über die Mittel verfügte, die Anteile der Miteigentümer abzulösen und die Herrschaft in einer Hand zu vereinigen.

Matthäus I

(* 1468/69 A., † 30./31.3.1540 Salzburg), Sohn des Johann (I), studierte in Ingolstadt, Tübingen und Wien. Wahrscheinlich noch vor 1493 Sekretär des Ebf.s von Mainz und Erzkanzlers Berthold von Henneberg. Als enger Mitarbeiter Maximilians I. kumulierte er zahlreiche Pfründen, von denen die Dompropsteien von A. und Konstanz die einträglichsten waren. 1498 Erhebung in den Adelsstand („von Wellenburg“). 1501 Koadjutor des Bf.s von Gurk, 1505-1523 Bf. von Gurk. Seitdem für Maximilian häufig in diplomatischen Missionen tätig, die er geschickt zur Mehrung seines Besitzes nutzte. Seit 1511/12 Kardinal. Nach Maximilians Tod (1519) wurde er politisch weitgehend entmachtet. 1519-1540 Ebf. von Salzburg, 1521 Bf. von Cartagena, ab 1529 Primas von Dtld. Mit A. blieb er zeitlebens verbunden und errichtete sich auf der Wellenburg ein prächtiges Domizil. Wiss. und Kunst gegenüber aufgeschlossen, gehörte er der Sodalitas Litteraria Augustana an. Seine üppige Hofhaltung erregte schon bei den Zeitgenossen Aufsehen; der Chronist W. Rehm bezeichnet ihn als „Speckbuob“ und „Hurenjäger“.