Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
27.04.2018

Mozart, Leopold

Seit Mitte des 15. Jh.s sind im sog. Schwäbischen Mozartwinkel mehr als 600 Namensträger in über 30 Dörfern nachweisbar, u.a. Schönebach (1440) und Aretsried (1441). Erster Beleg in A. 1480; 1597 bereits 19 Namensträger, zumeist Handwerker, am bekanntesten der Maler A. Mozart, den P. Hainhofer schätzte. Urkundlich ist 1486 in Heimberg bei Aretsried ein Ändris M. nachweisbar, der möglicherweise am Anfang der berühmtesten Namensträger steht, die ab dem Beginn des 16. Jh.s faßbar sind. Als erster erwarb der Maurergeselle David M. d.J. (* um 1620/22 Pfersee, † 28.1.1685 A.) 1643 A.er Bürgerrecht. Von seinen neun Kindern sind zu nennen: Hans Georg (* 20.4.1647 A., † 19.11.1719 A.), Werk- und Maurermeister des Domkapitels, der u.a. 1702/05 das Propsteigebäude von St. Georg erbaute; Johann Michael (* 26.9.1655 A., † 28.9.1712 Wien), seit 1686 als Bildhauer in Wien tätig; Franz (* 3.10.1649 A., † 29.4.1694 A.), Maurermeister, ab 1681 wohnhaft in der Fuggerei (Mittelgasse 14).

Sein jüngster Sohn war Johann Georg (* 4.5.1679 A., † 19.2.1736 A.), der 1709-1712 und 1716-1721 das erlernte Buchbinderhandwerk im Haus Lit. E 15 (Frauentorstraße 30; Mozart-Gedenkstätte) ausübte, wo auch sein ältester Sohn, Johann Georg Leopold (* 14.11.1719 A., † 28.5.1787 Salzburg), zur Welt kam. Ende 1721 Umzug in die Jesuitengasse. Als Schüler des Jesuitenkollegs St. Salvator erfuhr Leopold auch eine gediegene musikalische Ausbildung. 1724-1735 Mitwirkung bei Aufführungen des dortigen Schultheaters. Chorschüler von St. Ulrich und Afra und Hl. Kreuz. Nach dem Tod des Vaters verließ Leopold die Schule und schrieb sich Ende 1737 an der Univ. Salzburg ein; 1738 dort Baccalaureus der Philosophie; 1739 Relegation. 1740-1744 Kammerdiener und Musiker bei einem Domherrn. 1743 unbezahlter Violinist in der fürstbfl. Hofkapelle, Festanstellung 1747. Am 21.11.1747 Heirat mit Anna Maria Pertl (* 25.12.1720 St. Gilgen, † 3.7.1778 Paris). 1748 und 1751 Bestätigung des lebenslangen A.er Bürgerrechts; weiterhin Kontakte zu A. v.a. über seinen Bruder, den Buchbinder Franz Aloys (* 19.7.1727 A., † 14.6.1791 A.), zum Kloster Hl. Kreuz, zum Collegium musicum, das zahlreiche seiner Werke aufführte (u.a. 1756 Uraufführung zweier Sinfonien im Gasthaus „Zu den Drei Königen“), und zu dem Musikverleger J. J. (II) Lotter, der 1756 seinen Versuch einer gründlichen Violinschule druckte (1766 holländische, 1770 französische, 1804 russische Übersetzung).

Nach Ernennung zum Salzburger Vizekapellmeister ab 1763 ausgedehnte Auslandsreisen, z.T. mit den beiden überlebenden Kindern (von sieben), Maria Anna Walburga Ignatia („Nannerl“, * 30.7.1751 Salzburg, † 29.10.1829 ebd.) und Johannes Chrysostomus Wolfgang Gottlieb (ab 1770 „Wolfgango Amadeo“, ab etwa 1777 Wolfgang Amadé, * 27.1.1756 Salzburg, † 5.12.1791 Wien). Derartige Reisen führten Leopold und später Wolfgang des öfteren über A.: z.B. 22.6.-6.7.1763 mit drei öffentlichen Konzerten seiner Kinder. Als Wolfgang mit seiner Mutter vom 11. bis 26.10.1777 in A. Halt machte und mit J. M. Demmler und J. A. Stein konzertierte, lernte er auch sein „Bäsle“ (M. A. T. Mozart) näher kennen und war Gast im Kloster Hl. Kreuz, dem er Kopien kirchenmusikalischer Werke zur Abschrift überließ. Nach Leopolds Tod kam ein Teil des Nachlasses ebenfalls dorthin (weitgehend erhalten); 1954/56 Ankauf von Beständen des Klosters Lambach und des Mozart-Ikonographen M. Zenger durch die Stadt A.; 1980 Erwerb der Bibliothek der Fürsten von Oettingen-Wallerstein durch den Freistaat Bayern (UB A.) mit zahlreichen zeitgenössischen Abschriften seiner Werke. Mit Caroline Jacobine M. (* 25.9.1884, † 27.4.1965 A.), verheiratete Grau, starb die letzte Nachfahrin der A.er Verwandtschaft von Leopolds Bruder Josef Ignaz (* 7.8.1725 A., † 11.1.1796 A.).