Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
20.04.2018

Konrad, Peutinger (Buettinger, Peytinger)

Kaufmanns- und Patrizierfamilie. 1364 bis ins 18. Jh. in A. nachweisbar; Herrenstube (Wappenzyklus 1457); 1538 Aufnahme ins Patriziat. Der Zuname war wohl urspr. Herkunftsbezeichnung (Peiting); eine Verwandtschaft mit „Chvnr. von Pitengowe“ (1288) sowie „Volckmarus de Pitengae et Hermannus frater suus“ (1293) ist zumindest nicht belegt. Letzterer ist durch eine Urkunde von 1302 als Bruder des Rottenbucher Propstes Ulrich P. (1295-1307) bezeugt, die als weiteren Bruder auch „Con. Pyttinger“ nennt. Sicher faßbar sind die P. in der 2. Hälfte des 14. Jh.s, eine gehobene soziale Stellung ist erkennbar. Konrad (I, † 1396/97?) wird 1367-1396 als Propst in Bozen genannt. Die ab 1364 in den Steuerbüchern faßbaren Goldschmiede, Konrad (II, † 1401/02) und Heinrich († 1417/18), waren Söhne seines Bruders († vor 1370). Die Linie Heinrichs erlosch mit dem Sohn Ulrich (I, † nach 1475). Trotz patrizischen Konnubiums (1382: Dillinger) versteuerte Konrad nur ein mittleres AV (1396: 660 fl, 136. Stelle). 1402 übernahm der älteste, aus einer frühen Ehe stammende Sohn Jakob das Haus des Vaters; die minderjährigen Kinder Anna und Johann (I) aus letzter Ehe (Anna Schmied) wuchsen im Haus des Stiefvaters T. (I) Breyschuh auf. Jakob († 1438), Goldschmied und später Münzmeister, hatte vom Vater ein AV von nur 240 fl (1402) geerbt; nach Anfall des Erbes seines Schwiegervaters Johann Wieland (1425) zählte er zu den reichsten A.er Bürgern (AV 1428: 7080 fl, 16. Stelle). Nach seinem Tod zersplitterte das Erbe. Der mit einer Rehlinger verheiratete Sohn Sigmund (I, † 1463) und seine Söhne Georg (I, † 1491/92) und Sigmund (II, † 1497/98) blieben unbedeutend, mit Georgs Söhnen Georg (II) und Sigmund (III, † nach 1522) scheint die Linie in A. erloschen zu sein. Auch die jüngere Linie war ökonomisch wenig bedeutend, aber Teil eines literarisch aktiven Verwandtschaftsnetzes (Breyschuh, Wahraus, Mülich). Weder Johann (I, † 1459/60) noch die Söhne Johann (II, † 1496/97) und Ulrich (II, † nach 1486) gelangten über Mittelmaß hinaus. Nur der älteste Sohn Konrad (III, † 1466) erwies sich als kaufmännische Begabung (AV 1466: 4260 fl, 28. Stelle). 1459 war er in Wien für die L.-Meuting-Gesellschaft tätig und wurde daneben als „Diener“ Erzherzog Albrechts (VI.) bezeichnet.

Konrads (III) einziger Sohn, der Jurist und Humanist Konrad (IV, * 16.10.1465 A., † 28.12.1547 A.), war die bedeutendste Gestalt der Familie und der eigentliche Begründer der gesellschaftlichen Stellung, aber auch der akad. Tradition der Familie. Durch ihn gelangten die P. 1538 ins Patriziat. Er studierte Rechtswiss. in Italien und kam hier mit dem Humanismus in Berührung. 1498 Eheschließung mit Margarete (* 18.3.1481 A., † 5.9.1552, A.), der Schwester B. (V.) Welsers. Als Stadtschreiber (1495-1534) bestimmte er die Politik der Stadt maßgeblich mit. Nutzte den wirtschaftlichen Aufstieg der Handelsgesellschaften, um A. eine Führungsposition im Schwäbischen Bund (Bündnisse) zu verschaffen. Ks. Maximilian I. ernannte ihn zu seinem Rat und übertrug ihm mehrere diplomatische Aufträge, sein Einfluß auf die Reichspolitik blieb gering. Dank seiner Einflußnahme wurden literarisch-historische Projekte des Kaisers in A. realisiert. Stand wirtschaftspolitisch auf Seiten der Handelsgesellschaften, verteidigte in Gutachten Zinsnahme und Kartellbildungen. Während der Reformation suchte er einen Weg des Ausgleichs und verhinderte bis 1534, daß die Stadt sich offiziell zum Protestantismus bekannte. Neben altkirchlicher Gesinnung waren hierfür auch wirtschaftliche Erwägungen und politischer Opportunismus ausschlaggebend. Nach dem Scheitern seiner Bemühungen zog er sich zurück. Als Humanist unterhielt er zahlreiche Verbindungen zu gelehrten Zeitgenossen. Gründete die Sodalitas Litteraria Augustana, publizierte historische Quellenwerke, sammelte römische Münzen und Steindenkmäler, ließ historische Urkunden und Quellenwerke abschreiben und trug eine große Bibliothek zusammen (Privatbibliotheken). Ein umfangreicher, wenngleich fragmentarischer Nachlaß (SuStB A., BSB) gibt Aufschluß über P.s historisch-politische Leitmotive. Seine prot. und kath. Nachkommen bekleideten vielfach städtische Ämter. Der prot. Sohn Claudius Pius († 1552) war 1534-1548 Stadtadvokat, wurde häufig als Gesandter eingesetzt und führte mit A. Fugger 1547 nach dem Ende des Schmalkaldischen Kriegs die Unterwerfungsverhandlungen in Ulm. Seine Kinder waren Katholiken, Claudius Konrad Pius arbeitete 1563-1613 als Stadtadvokat, Claudius Narziß und Claudius Eusebius gehörten 1564-1572 bzw. 1585-1602 dem Rat an, Karl trat 1572 in den Jesuitenorden ein. Konrads zweiter prot. Sohn Chrysostomus († 1577) saß 1548-1553 im Rat. Sein Sohn Johann Chrysostomus heiratete die Schwester des Basler Bf.s und wurde hierdurch zum Gründer der Schweizer Linie der P. zu Marbach und Wangen. Auch Konrads kath. Sohn Karl († 1564) war ab 1554 Ratsherr. Eine entscheidende politische Rolle spielte der vierte Sohn Christoph († 1576), verheiratet mit Katharina Lauginger, der nach mehrjähriger Faktorentätigkeit für die Welser 1548 in den Rat gelangte und 1553-1576 kath. Stpf. war. Als er kinderlos starb, hinterließ er sein Vermögen als Fideikommiß, wodurch die Familie in heftigen Streit geriet.