Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
20.11.2018

Rugendas Künstlerfamilie

Seit dem 17. Jh. aktive Uhrmacher-, Maler-, Zeichner- und Stecherfamilie. Der Uhrmacher Nikolaus (I, * 1582 Melsungen, † 20.8.1652 A.) wanderte 1608 nach A. zu, wo er 1616 die Meistergerechtigkeit erhielt. Sein Sohn Nikolaus (II, *15.6.1619 A., † 1694/95 A.), Vater von 1), wurde ebenfalls Uhrmacher (Meisterrecht 1662); 1693/94 war er verordneter Meister der Kleinuhrmacher. Sein Sohn Nikolaus (III, * 31.7.1665 A., † 7.6.1745 A.), Bruder von 1), betätigte sich als Uhrmacher von Sonnenuhren und als Instrumentenmacher (Meisterrecht 1699).

Georg Philipp (I)

* 27.11.1666 A., † 9./10.5.1742 A., Maler, Zeichner für Kupferstecher, Radierer. Erlernte die Kupferstichtechnik bei seinem Vater, Nikolaus (II). 1683-1687 Lehre bei I. Fisches d.Ä., 1690-1692 in Wien, danach in Venedig und Rom, wo er Werke Cerquozzis und Tempestas kennenlernte. Mitglied der nordischen Schilderbent unter dem Namen „Schild“. Im Okt. 1695 in A., 1697 Meisterrecht und Heirat mit A. B. Haid. 1710 erster ev. Direktor der Reichsstädtischen Kunstakad. Als Kupferstecher und Schabkünstler zunächst für Jer. Wolff tätig, später für den eigenen, mit seinen drei Söhnen betriebenen Verlag. Seine Schlachtengemälde waren gesuchte Raumausstattungen in Schlössern. Nach Füssli und Held gab er 1715 die Malerei für 20 Jahre auf. Erarbeitete sich die lebensechte Wiedergabe seiner Schlachten-, Soldaten- und Lagerszenen durch unzählige Zeichnungen und Detailstudien, die in großer Zahl in der Graphischen Sammlung der StK A. aufbewahrt werden. Durch seinen Verlag, dem er offenbar das Ausschlachten seiner Erfindungen an Bildern und Zeichnungen überließ, und durch zahllose Nachahmer, Kopisten, Kompilatoren und Fälscher wurde die Eigenhändigkeit seines Werkes unübersichtlich.

Anna Katharina

* 30.12.1699 A., † 9.3.1747 A., Zeichnerin. Offenbar von ihrem Vater Georg Philipp ebenso sorgfältig ausgebildet wie ihre Brüder. Wie signierte Zeichnungen beweisen, arbeitete sie in der Werkstatt mit.

Georg Philipp (II)

* 7.9.1701 A., † 25.7.1774 A., Maler, Zeichner, Stecher, Kunstverleger. Sohn von Georg Philipp. 1722 in Wien, 1723 in Venedig nachweisbar. Hat anfangs Tier- und Soldatenbilder gemalt, wie das Bild der StK. A. von 1740 und frühere bei Held aufgeführte beweisen. Später nur noch Stecher, wobei er meist die Vorlagen seines Vaters benutzte und später mit seinem Sohn 5) zusammenarbeitete. Außer dem Bild zahlreiche Zeichnungen in den StK.

Christian

* 20.1.1708 A., † 10.7.1781 A., Stecher. Sohn von Georg Philipp, Schüler von J. B. Probst. Zunächst Mitarbeiter des Vaters, dessen Gemälde er nach Zeichnungen in Schabkunstserien veröffentlichte, später arbeitete er mit seinem Sohn Philipp Sebastian (1736-1807).

Jeremias Gottlob

* 2.12.1712 A., † 21.4.1772 A., Stecher. Sohn von Georg Philipp. 1743 in Preßburg. 1753 beteiligt an der „Societas artium liberalium“, die 1755 zur Gründung der Franciscischen Akad. führte. Unter seinen Brüdern der Eigenständigste, am wenigsten dem Vater Verpflichtete, stach er 1756-1771 Gedächtnisblätter zum A.er Friedensfest, religiöse Darstellungen und Bildnisse nach verschiedenen Vorlagen.

Johann Lorenz (I)

* um 1730 A., † 1799 A., Maler, Stecher, Kunstverleger. Sohn von Georg Philipp(II), mit dem er zunächst zusammenarbeitete, später mit seinem Sohn Johann Lorenz (II). Stach nach verschiedenen Vorbildern, u.a. Szenen aus dem Siebenjährigen Krieg und Gegenwartsereignisse. Änderte damit die Schlachtenbild-Tradition der Familie R. von der anonymen, heroischen Schlachtendarstellung in eine zeitgenössisch-historische ab.

Johann Lorenz (II)

* 1775 A., † 19.12.1826 A., Stecher, Kunstverleger. Sohn von Johann Lorenz (I.), folgte der Darstellungslinie seines Vaters, mit dem er zunächst zusammenarbeitete; später für einen eigenen Verlag tätig. Stach meist in Aquatintatechnik, häufig mit Kolorierung nach eigenen Vorlagen. 1796-1815 entstanden in mehreren Serien fast 100 Darstellungen aus den napoleonischen Kriegen (StK A., Graphische Sammlung). Ab 1804 Direktor der A.er Kunst- und Zeichenschule.

Johann Moritz

* 29.3.1802 A., † 29.5.1858 Weilheim/Teck, Maler, Lithograph, Zeichner. Sohn von 7). Erste Ausbildung beim Vater, ab 1817 an der Münchner Akad. unter A. Adam und L. Quaglio d.J. 1821/25 in Brasilien, danach vielfältige Reisen durch Europa. 1831/47 wieder in Südamerika. Seine besondere Bedeutung liegt in der Darstellung von Landschaft und Volksleben südamerikanischer Länder, die von Alexander von Humboldt sehr gelobt wurde. 1827-1835 „Malerische Reise in Brasilien“ (4 Bde.) mit Lithographien nach seinen Vorlagen in französischer und 1836 in dt. Ausgabe, 1855 „Landschaftsbilder und Skizzen aus dem Volksleben von Mexico“. Eine große Anzahl Bilder, Ölskizzen und Zeichnungen kam aus dem Nachlaß in die StK A. und in die Graphische Sammlung München.