Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
24.04.2018

Schaezler Bankiers- und Unternehmerfamilie

Johann Lorenz, Frhr. von

* 15.9.1762 Ansbach, † 19.3.1826 A. Sohn eines markgräflich ansbachischen Wundarztes. Nach Besuch des dortigen ev. Gymnasiums 16jährig Kaufmannslehre in Frankfurt. Stationen in Aachen (ab 1785) und Trarbach/Mosel (ab 1789). 1791 Eintritt zunächst als Handlungsgehilfe in das A.er Bankhaus von B. A. Liebert, dessen Tochter Marianna Barbara (1768-1838) er 1793 heiratete. Am 1.1.1800 gründete er sein eigenes Bankgeschäft, das schon bald überaus erfolgreich war und ihn zu einem sehr angesehenen Bürger aufsteigen ließ. 1805 führendes Mitglied einer Abordnung der Reichsstadt, die mehrfach (in A. und Mühldorf/Inn) mit Napoleon verhandelte. Seit 1807 Kreditgeber des Kgr.s Bayern, im gleichen Jahr kgl. Finanzrat. Übernahm nach dem Tod Lieberts 1810 dessen Geschäft und erwarb 1821 auch dessen Haus (Schaezlerpalais). Seit 1818 Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten; Abgeordneter der Stadt in der ersten bayerischen Ständeversammlung. Verfügte 1820 über ein Vermögen von rund 2,15 Mio. fl. 1821 Erhebung in den Frhr.-Stand. 1822 u.a. Erwerb der Hofmarken Sulzemoos (Dachau) und Scherneck (bei A.). Im selben Jahr Initiator der „A.ischen Ersparniss-Kasse mit Verzinsung“ (Stadtsparkasse A.). Gründer wohltätiger Stiftungen, unterhielt u.a. 1814-1825 eine Armenschule und stiftete 1822 25.000 fl für das ev. Waisenhaus.

Ferdinand (Benedikt), Frhr. von

* 8.6.1795 A., † 1.8.1856 München. Sohn von 1), seit 1811 im väterlichen Bankhaus tätig, das er zunächst zusammen mit seinem Bruder Ludwig Carl weiterführte. Verheiratet mit der Tochter des A.er Bankiers Joh. Chr. von Froelich. 1829 Übersiedlung nach München, wo er ein eigenes Kontor eröffnete. 1835 kgl. bayerischer Kammerherr und Rückkehr nach A. Seit 1836 Vorstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten. 1837-1848 Mitglied der bayerischen Abgeordnetenkammer. 1837 Mitbegründer der Mechanischen Baumwoll-Spinnerei und Weberei. Mitglied des Landrats und Landtags. 1842-1854 erster Vorstand der Handelskammer für Schwaben und Neuburg (Industrie- und Handelskammer). 1845 Teilhaber und bis 1852 Aufsichtsratsvorsitzender der A.er Kammgarnspinnerei. Nach 1848 erneute Übersiedlung nach München. Errichtete 1854 in A. eine Waisen- (20.000 fl) und eine Diakonissen-Stiftung (10.000 fl). Das Bankhaus erlosch 1861.

(Johann Lorenz) Constantin, Frhr. von

* 7.5.1827 A. (prot.), † 19.9.1880 Interlaken (Schweiz), Jurist, kath. Theologie. Ältester Sohn von 2). Gymnasium bei St. Anna. Ab 1844 Jurastudium in Erlangen (Dr. iur.), München und Heidelberg. 1850 in Brüssel Konversion zum Katholizismus. Studium der kath. Theologie in Brüssel und Löwen. 1851-1857 (und ab 1878) Jesuit. 1856 Priesterweihe, ab 1857 Weltpriester in Bayern. 1859 Dr. theol. in München. 1861/62 Repetent am Priesterseminar in Osnabrück, dort ein Jahr lang Dominikaner. 1862 Habilitation und 1863-1873 Privatdozent für Dogmengeschichte in Freiburg/Br. Seit 1869 theologischer Berater beim 1. Vaticanum. Seit 1873 in verschiedenen römischen Kongregationen als Konsultor tätig. Päpstlicher Hausprälat. Grenzte sich als Vertreter des Neothomismus von der Theologie der kath. Tübinger Schule (bes. Johann Ev. von Kuhn) scharf ab.

Wolfgang, Frhr. von

* 23.4.1880 A., † 5.6.1967 A. Gymnasium bei St. Anna und humanistisches Gymnasium in Ansbach. Jurastudium in Berlin, Würzburg und München (1905 Dr. iur.). Danach Verwaltung der eigenen Güter. Aufsichtsrat der A.er Kammgarnspinnerei. Naturschutzbeauftragter des Lkr.es Aichach. 1958 Übergabe des Schaezlerpalais an die Stadt zum Gedenken an seine beiden im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne. Ehrenbürger von Sulzemoos (Dachau) und Rehling (bei A.) und der Stadt A. (1958). Bayerischer Verdienstorden.