Stadt Augsburg Stadtarchiv Augsburg
L o g o
25.04.2018

Schüle

Johann Heinrich, Edler von

* 13.12.1720 Künzelsau, † 17.4.1811 A., Kattunfabrikant. Der 1745 zugezogene S. heiratete die Tochter seines Arbeitgebers, Catharina Barbara Cristell, machte sich mit ihrer Mitgift und Darlehen J. Obwexers selbständig und investierte in den Kattundruck. Bereits in den 1760er Jahren avancierte er hier zu einem der führenden süddt. Unternehmer. 1759 eigene Manufaktur, die als erste auf dem europäischen Festland große Mengen Rohkattune aus England und Ostindien verarbeitete und sich damit über Einfuhrbeschränkungen der Stadt A. hinwegsetzte. Es kam zu Streitigkeiten mit den Webern über den Schutz der einheimischen Weberwarenproduktion. 1766 wurde er zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, seine Importe wurden beschlagnahmt, woraufhin er A. verließ und sich in Heidenheim/Brenz zu etablieren suchte. 1768 entschied der Ks. den Streit zwischen den Webern und den von S. angeführten Kattunfabrikanten zugunsten der Unternehmer. S. kehrte nach A. zurück und begann den Bau seiner Fabrik am Roten Tor (Schülesche Kattunfabrik, 1772). 1772 Nobilitierung; Privileg zur Herstellung bestimmter Stoffmuster. Der in S.s Unternehmen produzierte „A.er Zitz“ genoss Weltruf. In den späten 1770er und frühen 1780er Jahren wurden insgesamt 75.000 Kattunstücke produziert; 1785 etwa 3500 Beschäftigte. Bereits Mitte der 1780er Jahre ging die Produktion merklich zurück; S. geriet zunehmend unter Konkurrenzdruck durch andere Kattunfabriken, die Textilien gleicher Qualität lieferten. In S.s Unternehmen lernten und arbeiteten sein Neffe 2) wie auch sein Schwiegersohn Jean-Michel Haussmann, ein Pionier der französischen Kattunindustrie. Seine Söhne übernahmen 1792 die im Niedergang befindliche Firma, die dann in den napoleonischen Kriegen fallierte.

Matthäus

18. Jh., Kattundrucker. Kattundruckerlehre bei seinem Onkel 1), heiratete die Witwe von J. F. Gignoux. Bezog bereits 1767-1769 ostindische Kattune und Farbwaren bei dem Kriegshaberer Juden Isaak Goldschmidt im Wert von 50.000 fl, 1772 Gesellschafter der Kattunfabrik des Grafen Joseph Bolza im böhmischen Josefsthal-Cosmanos, zog sich aber aufgrund eines Konflikts wegen unverzollt eingeführter A.er Chemikalien zurück. Nahm 1775-1781 A.er Webern insgesamt 75.232 Kattune ab, stand damit neben den Erben seines Schwiegervaters zeitweise an der Spitze der A.er Kattundrucker. Produzierte für den europäischen, russischen und - im Auftrag seiner Geldgeber Obwexer - für den lateinamerikanischen Markt. Das Druckverfahren mit Kupferplatte, für das sein Onkel bekannt wurde, konnte den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Abnehmer angepasst werden.